Nach dem Rücktritt von Lutz Bachmann "Pegida" will sich ein neues Image verpassen

Dresden · Von Anfang an sah sich die "Pegida"-Bewegung dem Vorwurf ausgesetzt, ausländerfeindliche Ressentiments zu schüren. Durch die Internet-Kommentare von Lutz Bachmann und dessen Rücktritt sieht sich so mancher in dieser Meinung bestärkt. "Pegida" selbst muss sich neu aufstellen – und will sich ein neues Image verpassen.

Das ist Lutz Bachmann
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Foto: ap

Von Anfang an sah sich die "Pegida"-Bewegung dem Vorwurf ausgesetzt, ausländerfeindliche Ressentiments zu schüren. Durch die Internet-Kommentare von Lutz Bachmann und dessen Rücktritt sieht sich so mancher in dieser Meinung bestärkt. "Pegida" selbst muss sich neu aufstellen — und will sich ein neues Image verpassen.

Das Bild von Lutz Bachmann mit "Hitler-Bärtchen" ging um die halbe Welt. Nicht nur in Deutschland wurde über das Foto berichtet, dass der "Pegida"-Gründer selbst als Scherz bezeichnet hat. Das Fass zum Überlaufen bei den "Pegida"-Organisatoren brachten aber eher Kommentare über Asylbewerber und Flüchtlinge, die Bachmann auf seiner Facebook-Seite abgegeben haben soll. Von "Viehzeug", "Dreckspack" oder "Gelumpe" war dort zu lesen, mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Schon nach Bekanntwerden der Postings hatte "Pegida"-Vize Rene Jahr in der "Bild"-Zeitung Konsequenzen gefordert. "Mit so etwas will ich nichts zu tun haben", sagte er und betonte, dass es "hier um die gesamte Bewegung und nicht nur um eine Person" gehe. Die Konsequenzen folgten schnell: Bachmann trat zurück und entschuldigte sich.

Im gleichen Beitrag wies auch "Pegida" selbst die Bachmann-Postings "aufs Schärfste zurück". Sie trügen nicht dazu bei, Vertrauen zu den Zielen und Protagonisten von "Pegida" zu entwickeln. "Nur persönliche Integrität schafft politische Glaubwürdigkeit", kommentiere Kathrin Oertel, Sprecherin und ebenfalls bekanntes Gesicht der Bewegung.

Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte Oertel zudem mit Blick auf die "Legida"-Demonstrationen in Leipzig: "Wir wollen verhindern, dass Pegida in das rechtsextreme Spektrum abgleitet." Denn auch gegen den Leipziger Ableger gibt es Vorwürfe, Rassismus zu schüren. Insbesondere das Positionspapier der "Legida" hatte für Kritik gesorgt, denn darin war unter anderem von der "Beendigung des Kriegsschuldkultes" zu lesen. Zudem war es am Mittwoch zu gewalttätigen Szenen gekommen. Journalisten sollen von "Legida"-Anhängern angegriffen worden sein.

Schon bei der "Pegida"-Pressekonferenz vor wenigen Tagen hatten die Organisatoren — auf dieses Papier angesprochen — erklärt, dass künftig alle "Pegida"-Ableger das Dresdner Positionspapier übernehmen müssten. "Legida" habe dazu aber noch immer keine Erklärung abgegeben, weswegen sich "Pegida" Dresden von allen Äußerungen auf den Demonstrationen distanziert und sogar eine Unterlassungsklage prüft.

Es ist der Kampf einer Bewegung gegen den zweifelhaften Ruf, den sie von Anfang an hatte: rassistische Ressentiments zu schüren. Denn es dauerte nicht lange, bis sich tatsächlich Rechtsextreme unter die Demonstranten in Dresden mischten. "Pegida" aber hatte immer wieder betont, dass man nicht ausländerfeindlich sei und auch keine Gewalt propagiere. Bei den Gegnern nahm das aber niemand der Bewegung ab.

Vor Wochen auch Streit in NRW

Zumal der Streit mit "Legida" nicht der erste mit einem Ableger der Bewegung ist. Schon Anfang Januar hatte es einen ähnlichen Streit in NRW gegeben. Sowohl die "Pegida"-Bewegung NRW als auch die Organisatoren in Dresden hatten sich von den Veranstaltungen namens "Kögida", "Bogida" und "Dügida" distanziert. Dies seien keine offiziellen "Pegida"-Kundgebungen mehr. Der Grund war ein Streit mit der ehemaligen Sprecherin Melanie Dittmer, die bei "Pro NRW" aktiv ist und sich als Jugendliche in der Jugendorganisation der NPD engagiert hatte.

Doch genau in diese Ecke will sich "Pegida" nicht gedrängt sehen. Nicht nur der Streit in NRW, sondern auch der mit "Legida" und schließlich die Facebook-Postings von Lutz Bachmann waren da allerdings wenig förderlich. Zumal der Fall Bachmann auch der AfD, die Gespräche mit "Pegida"-Vertretern geführt hatte, aufgestoßen war. Der Sprecher der Partei nannte das "Hitler"-Foto "geschmacklos" und fügte hinzu, dass Bachmann als Person des öffentlichen Interesses wissen müsse, "dass so etwas kein Scherz mehr sein kann".

So mancher Politiker oder "Pegida"-Gegner sieht daher schon den Anfang vom Ende der Bewegung. Die "Pegida"-Anhänger selbst aber plädieren im Netz mehrheitlich dafür, sich nicht unterkriegen zu lassen und jetzt erst recht weiter zu protestieren. Und auch Sprecherin Kathrin Oertel betonte im "Tagesspiegel", dass sie davon ausgehe, dass es nach Bachmanns Rücktritt "genauso weitergeht wie bisher".

(das)
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