Morddrohung gegen Initiator der Anti-Islam-Bewegung Lutz Bachmann — "Pegida"-Frontmann im Visier von Islamisten

Dresden · Lutz Bachmann ist nicht zu übersehen. Bei den Dresdner "Pegida"-Demonstrationen steht er seit Monaten im Scheinwerferlicht. Anhänger bescheinigen dem Initiator der Anti-Islam-Bewegung Charisma. Kritiker nennen ihn einen Heuchler. Jetzt muss Bachmann befürchten, ins Visier islamistischer Terroristen geraten zu sein.

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Foto: dpa, abu tmk

Lutz Bachmann ist nicht zu übersehen. Bei den Dresdner "Pegida"-Demonstrationen steht er seit Monaten im Scheinwerferlicht.
Anhänger bescheinigen dem Initiator der Anti-Islam-Bewegung Charisma.
Kritiker nennen ihn einen Heuchler. Jetzt muss Bachmann befürchten, ins Visier islamistischer Terroristen geraten zu sein.

Lutz Bachmann ist das Gesicht von "Pegida". Der Dresdner gilt als Initiator der Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", die in der sächsischen Landeshauptstadt seit Mitte Oktober regelmäßig Demonstrationen organisiert und dabei Woche für Woche mehr Menschen hinter sich geschart hatte. Bislang genoss er das Scheinwerferlicht.

Doch nun gerät er ins Visier von Islamisten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gibt es eine Morddrohung gegen ihn. Die Gefahr sei nicht mehr nur abstrakt, sondern konkret, teilte Polizeipräsident Dieter Kroll mit.

Das sind die Köpfe der "Pegida"-Bewegung
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In der Polizei-Verfügung, nach der alle Demonstrationen für Montag untersagt werden, heißt es, Attentäter seien aufgerufen worden, sich unter die "Pegida"-Demonstranten zu mischen. Ziel sei es, "zeitnah einen Mord an einer Einzelperson des Organisationsteams der Pegida-Demonstrationen zu begehen". Dieser Aufruf ähnele einem über einen Twitter-Account gesendeten Tweet, in dem auf Arabisch die Pegida-Demonstration als "Feindin des Islams" bezeichnet werde.

Bachmann gibt sich bürgerlich

Der 41-jährige Bachmann mit der hühnenhaften Statur und dem gegelten Kurzhaar ist eine schillernde Figur. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls und Drogendelikten. Seinem Ansehen unter den "Pegida"-Anhängern hat das augenscheinlich nicht geschadet. Bachmanns Kritiker nennen es heuchlerisch, dass ausgerechnet ein Mann mit einer kriminellen Vergangenheit gegen kriminelle Ausländer wettert.

So demonstrierten 35.000 in Dresden gegen "Pegida"
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An Bachmanns Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab, er sei auch kein Rassist. "Ich habe einen türkischen Trauzeugen und viele muslimische Freunde." Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt.

Bachmann gibt sich bürgerlich. Drei Jahre nach der Wende gründete er nach eigenen Angaben eine kleine Foto- und Werbeagentur. Danach geriet er gleich mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und wurde verurteilt. Noch vor Haftantritt setzte er sich nach Südafrika ab, wo er Grafik und Design studiert haben will. Recherchen von Journalisten an der Universität von Kapstadt führten jedoch ins Leere.

Im Jahr 2000 kehrte Bachmann zurück nach Deutschland, stellte sich und kam ins Gefängnis. 2010 wurde er wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Als seine kriminelle Verhangenheit im Zuge der "Pegida"-Proteste zum Thema wurde, stellte er kurzzeitig seinen Rückzug aus dem Rampenlicht in Aussicht — um eine Woche später doch wieder als Redner aufzutreten.

Tausende demonstrieren gegen "Pegida"
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Im März beginnt Berufungsprozess

Mitte März könnte sich entscheiden, ob Bachmann vielleicht wieder ins Gefängnis muss. Dann beginnt vor dem Landgericht Dresden ein Berufungsprozess, in dem es um angeblich nicht geleistete Unterhaltszahlungen für Bachmanns Sohn geht.

Der 41-Jährige war deshalb im Frühjahr 2014 vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft haben Berufung dagegen eingelegt. Bachmann war im fraglichen Zeitraum nur auf Bewährung frei. Sollte auch das Landgericht ihn schuldig sprechen, könnte eine Aufhebung der Bewährung geprüft werden. Dann wäre auch Gefängnis möglich.

(dpa)
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