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Rainer Brüderle ist in den Wahlkampf gestartet: Lockeres Comeback des FDP-Schwergewichts

Rainer Brüderle ist in den Wahlkampf gestartet : Lockeres Comeback des FDP-Schwergewichts

Mit mehreren Knochenbrüchen war FDP-Spitzenkandidat Brüderle zwei Monate lang außer Gefecht gesetzt. Nun ist er zurück im Wahlkampf. Er will 120 Prozent geben, und das mit zehn Kilo weniger auf den Rippen. Die FDP braucht ihn.

Es sieht tatsächlich so aus, als könne er es kaum erwarten: Bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung taucht FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle am Mittwochabend in Remshalden bei Stuttgart auf. Er lacht in die Kameras, schüttelt Hände und will gute Laune versprühen. Der Spitzen-Liberale hat merklich abgenommen. Zehn Kilo sollen es. Das sieht man. Kaum Bauch, schmaleres Gesicht.

Es ist der erste große Wahlkampfauftritt nach Brüderles folgenschwerem Sturz Mitte Juni, bei dem er sich auf der linken Seite Arm und Bein gebrochen hat. Zwei Monate lang war der Polit-Haudegen außer Gefecht gesetzt. Nun ist Brüderle zurück. Wie er sich jetzt fühlt? "Sauwohl. Es wird Zeit."

Groß gestikulierend, selten lautstark

Äußerlich sind dem 68-Jährigen seine gesundheitlichen Blessuren kaum mehr anzusehen. Brüderle geht zwar etwas langsam - Krücken hat er aber nicht dabei. Er redet 45 Minuten lang überwiegend bedächtig, manchmal groß gestikulierend, aber selten lautstark.

Vor den mehr als 200 Menschen in dem Veranstaltungsraum eines mittelständischen Maschinenbauers schlägt Brüderle das bekannte politische Rad: Er wettert gegen die rot-grünen Steuerpläne. Er lobt die mittelständischen Unternehmer, die für eigene Fehler einstehen müssten, und stellt sie den aus seiner Sicht verantwortungslosen "Managersöldnern" entgegen. Er spricht sich gegen einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn aus und verurteilt den von den Grünen vorgeschlagenen "Veggie Day" in Kantinen.

Brüderle zeigt sich entspannt

Trotz der durchwachsenen Umfragewerte für seine Partei - sie liegt bei fünf Prozent oder leicht darüber - gibt sich Brüderle betont entspannt. Die vergangenen Landtagswahlen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hätten gezeigt, dass die tatsächlichen Wahlergebnisse der FDP sich deutlich von den Umfrageergebnissen unterscheiden könnten. "Bei den Grünen sind die Umfragen besser als die Ergebnisse. Bei uns sind die Ergebnisse besser als die Umfragen. Ich halte das für das bessere Modell."

Dabei müssen die Liberalen auch in ihrem vom Mittelstand geprägten Stammland Baden-Württemberg um jede Stimme kämpfen. 2009 fuhr die Südwest-FDP mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen das beste Ergebnis aller liberalen Landesverbände ein. Doch bei der Landtagswahl 2011 kam die FDP nur knapp über die Fünf-Prozent-Hürde. Weil es für Schwarz-Gelb nicht mehr reichte, regiert seitdem Grün-Rot im Ländle.

"Experimente von pubertärer Wirtschaftspolitik"

Zum Schluss beantwortet der Spitzenkandidat noch ein paar Fragen aus dem Publikum und warnt mit Blick auf die politische Konkurrenz noch einmal eindringlich vor "Experimenten von pubertärer Wirtschaftspolitik". Inhaltlich war das der alte Brüderle, sagen die überwiegend älteren Veranstaltungsbesucher, die den FDP-Mann schon häufiger erlebt haben.

Zum Beispiel meint aber Manfred Bantel aus dem benachbarten Schorndorf, auch etwas körperliche Schwäche wahrgenommen zu haben. Und akustisch sei der Kandidat manchmal schwer zu verstehen gewesen. Das könne aber auch an der Tontechnik gelegen haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle ist zehn Kilo leichter

(rpo/dpa)