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Linksparteivorsitzende Katja Kipping: Vier-Tage-Woche mit neuem Kurzarbeitgeld

Linksparteivorsitzende Katja Kipping : Generelle Vier-Tage-Woche mit neuem Kurzarbeitgeld anschieben

Die Linksparteivorsitzende fordert für eine flächendeckende Arbeitszeitverkürzung ein staatliches Übergangsgeld für ein Jahr. Danach sollten ihrer Ansicht nach die Unternehmen zu Vereinbarungen verpflichtet werden.

Linksparteichefin Katja Kipping hat die Bundesregierung aufgerufen, die Corona-Krise zum Anlass für die flächendeckende Einführung einer Vier-Tage-Arbeitswoche zu nehmen. Als Anschubfinanzierung könne ein neues Kurzarbeitergeld dienen, sagte Kipping unserer Redaktion. Ein Jahr lang sollten Unternehmen, die die Arbeitszeit entsprechend verkürzen, einen Lohnzuschuss bekommen. Danach müsse ein Tarifvertrag beziehungsweise eine Betriebsvereinbarung über ein Arbeitszeitmodell mit einer Vier-Tage-Woche oder einer Höchstarbeitszeit von 30 Stunden ohne weitere staatliche Co-Finanzierung abgeschlossen werden.

 „Die Vier-Tage-Woche macht Beschäftigte glücklicher, gesünder und produktiver. Gerade jetzt in der Corona-Krise wäre ein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen“, sagte Kipping. Es gehe nicht um ein Geschenk an die Beschäftigten. Auch die Unternehmen profitierten davon, weil ihre Mitarbeiter weniger Fehler machten, motivierter und seltener krank seien. Deutschlands Unternehmen haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in der Corona-Krise für mehr als zehn Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Damit wurden alle Prognosen von Volkswirten bei Weitem übertroffen. 2020 könnten sich die staatlichen Ausgaben dafür auf 30 Milliarden Euro belaufen. Verschiedenen Studien und Umfragen zufolge wünschen sich viele Menschen kürzere Arbeitszeiten, können sich Gehalts- und spätere Renteneinbußen aber nicht leisten. Umgekehrt können viele Betriebe eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich nicht bezahlen.

Kipping sagte, Corona sei für viele zusätzlicher Stress. „Die letzten Wochen und Monate waren für viele Menschen extrem belastend. Sie mussten ihre Kinder unterrichten, ihre Eltern mitversorgen, sich sozial isolieren und natürlich haben sich viele auch davor gefürchtet, selbst krank zu werden.“ Eine Krankheitswelle wegen psychischer und psychosomatischer Erkrankungen sei nicht ausgeschlossen. Eine Vier-Tage-Woche könne zudem für mehr Gleichberechtigung sorgen, weil sich Paare seltener entscheiden müssten, wer für die Kinder kürzer trete.

(kd)