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Wahl zum Bundespräsidenten: Linke vertagt Entscheidung über Kandidat

Wahl zum Bundespräsidenten : Linke vertagt Entscheidung über Kandidat

Die Linken haben sich am Donnerstag überraschend noch nicht auf einen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt. Die Entscheidung über den Gegenkandidaten für Joachim Gauck wurde nach mehrstündigen Beratungen auf Montag vertagt, wie Parteichefin Gesine Lötzsch nach Beratungen der Führungsgremien sagte.

Zuvor war vor allem die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld als Kandidatin für das höchste Staatsamt gehandelt worden. Neben Klarsfeld sind Lötzsch zufolge auch der Kölner Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge und die Linken-Abgeordnete Luc Jochimsen zur Kandidatur für die Linken bereit. Jochimsen war bereits bei der vorangegangenen Präsidentenwahl 2010 die Kandidatin ihrer Partei gewesen.

 Beate Klarsfeld werden die größten Chancen eingeräumt, um gegen den Kandidaten der anderen Parteien, Joachim Gauck, antreten zu können.
Beate Klarsfeld werden die größten Chancen eingeräumt, um gegen den Kandidaten der anderen Parteien, Joachim Gauck, antreten zu können. Foto: dpa, Karlheinz Schindler

Vor der Festlegung sollen am Wochenende noch persönliche Gespräche mit den Bewerbern geführt werden. Lötzsch hatte in den vergangenen Tagen mit Klarsfeld telefoniert; die in Paris lebende 73-jährige Journalistin hat sich inzwischen auch öffentlich zur Kandidatur bereiterklärt.

Klarsfeld sagte der Online-Ausgabe des Berliner "Tagesspiegel", sie wolle "kein Anti-Gauck" sein. Der frühere Stasiakten-Beauftragte "steht für den Kampf um Menschenrechte in der DDR, und ich stehe für die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen".

Weiter Kritik an Gauck

Linken-Chef Klaus Ernst bekräftigte die Kritik seiner Partei an dem von Union, FDP, SPD und Grünen nominierten Gauck. Er vertrete bei Themen wie Hartz IV nicht die Position der Linken und sei für die Partei daher nicht wählbar. Weil es aber auch bei SPD, Grünen und auch den Piraten inzwischen Kritik an Gauck gebe, existiere die Erwartung an die Linke, "ihr müsst einen eigenen Kandidaten bringen".

Mit Blick auf Klarsfelds Solidarität mit Israel, die bei den Linken auch kritisch gesehen wird, sagte Ernst, die Präsidentschafts-Kandidatin der Partei müsse "nicht eins zu eins unser Programm herunterbeten". An den entscheidenden Beratungen am Montag soll auch der frühere Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine teilnehmen, der zugleich Spitzenkandidat der Linken bei der Landtagswahl am 25. März ist.

Lötzsch und Ernst wiesen Spekulationen zurück, die Linke sei in der Kandidatenfrage zerstritten. Die Entscheidung, erst am Montag einen Bewerber zu nominieren, sei einhellig gefallen, sagte Ernst. Das gelte auch für den Entschluss, überhaupt einen Bewerber ins Rennen zu schicken. Zuvor hatten die Linken auch erwogen, ohne eigenen Kandidaten in die Bundesversammlung am 18. März zu gehen. Die Wahl eines neuen Bundespräsidenten ist nach dem Rücktritt des bisherigen Staatsoberhauptes Christian Wulff am vergangenen Freitag nötig geworden.

(AFP)