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Linke: Janine Wissler will Sahra Wagenknecht beerben

Linke wählt auf Parteitag Vorstand neu : Janine Wissler will Sahra Wagenknecht beerben

Wenn sich am Wochenende der Vorstand der Linken beim Bundesparteitag in Berlin der Wiederwahl stellt, wird eine nicht mehr kandidieren: Sahra Wagenknecht, Wortführerin des linken Flügels und Lebensgefährtin von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine. In ihre Fußstapfen will auch eine Frau treten: die Hessin Janine Wissler.

"Sahra Wagenknecht ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten unserer Partei, die sich in Themen wie der Finanzpolitik profiliert und ihre Kompetenzen unter Beweis gestellt hat", sagte Janine Wissler im Interview mit T-Online. Aber auch wenn sie als Nachfolgerin für Wagenknecht und Parteihoffnung gilt, vergleichen wolle sie sich nicht mit ihr. Sie müsse ihre eigene Rolle finden.

Ein Schritt in diese Richtung dürfte sicherlich die Vorstandswahl der Linken beim am heutigen Freitag beginnenden Parteitag in Berlin. Denn dann will sich die Fraktionschefin der Linken in Hessen zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden küren lassen - als Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht, die nicht mehr antritt. Nach vielen Gesprächen habe sie sich zu dem Schritt entscheiden, sagte Wissler, die wie Wagenknecht dem linken Flügel der Partei angehört. Der hessische Landesvorstand der Linken hatte sich einstimmig hinter ihre Kandidatur gestellt.

Gründungsmitglied der WASG in Hessen

In der Politik aktiv ist die 32-Jährige seit 1997. Damals, so steht es auf ihrer Webseite, habe sie sich in außerparlamentarisc hen Bewegungen und Bündnissen engagiert – gegen den Krieg, gegen Sozialabbau und auch gegen Nazis. 2001 wurde sie schließlich Mitglied von attac und auch deren Sprecherin in Frankfurt.

Die Diplom-Politologin arbeitete während ihres Studiums im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Werner Dreibus, bevor sie ihre eigene politische Karriere voranbrachte. Dann aber ging es Schlag auf Schlag. Seit Mai 2004 in der WASG, die sich später mit der Linken im Osten zusammenschloss, ein Jahr später Gründungsmitglied der WASG in Hessen. Dann kam die Wahl in den Landtag, wo sie zunächst stellvertretende und seit 2009 Vorsitzende ihrer Fraktion ist.

Schon im vergangenen Jahr wurde ihr, wie die "Welt" schreibt, vorgeschlagen, für den Bundestag zu kandidieren. "Ich habe es mir schon überlegt", zitiert sie die Zeitung. Aber es wäre nicht in Ordnung gewesen, die hessische Linke kurz vor der Landtagswahl – zumal es eng aussah – im Stich zu lassen. Nun aber will sie mehr bundespolitische Luft schnuppern – und Hessen dennoch treu bleiben.

Sie wolle, so schreibt die "Welt", sollte sie zur Vize gewählt werden, den Kontakt zwischen Partei und außerparlamentarischen Gruppierungen intensivieren. Und sie solle den Westen wieder für die Partei begeistern. "Was wir klar machen müssen ist, dass Sozialismus und Demokratie zusammengehören", sagt sie in dem Interview mit T-Online.

Eine wichtige Aufgabe in den nächsten Jahren werde sein, die Partei weiter aufzubauen und stärker in der Gesellschaft zu verankern, sagte Wissler zu ihren Zielen. In Zeiten der großen Koalition werde die Linke dringend gebraucht als Oppositionsführerin und als laute Stimme für soziale Gerechtigkeit und Frieden.

Wissler: "Reichtum muss gerecht verteilt werden"

Ihre Ziele, die sie auf ihrer Webseite aufzählt: "Reichtum muss gerecht verteilt werden." Es sei nicht hinnehmbar, dass die Mehrheit der Gesellschaft durch ihre Arbeit Werte schaffe, die von der Minderheit "besessen, gehortet und verwaltet werden". Außerdem plädiert sie für den Abzug der Bundeswehr von Auslandseinsätzen und engagiert sich gegen Rassismus.

"Es geht schon darum, grundsätzliche Antworten auf die aktuellen Probleme wie die Wirtschaftskrise zu bieten", sagt sie in dem Interview mit T-Online – und fügt hinzu: "Marxistische Ideen sind dabei aktueller denn je, denn der Marxismus hat die Finanz- und Kapitalismuskrise im Grunde vorhergesagt, und er zeigt Ansätze auf, wie eine gerechte globalisierte Welt aussehen kann."

Am Samstag muss sie nun zeigen, warum sie die richtige für den Vize-Posten ist. Denn sie ist nicht die einzige, die sich bewirbt. Caren Lay und Axel Trost kandidieren erneut für den Posten. Und neben Wissler stellen sich auch der 35-jährige Journalist Dominic Heilig aus dem Reformlager und der 49-jährige Friedensforscher Tobias Pflüger zur Wahl.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundestagswahl 2017: Wahlparty der Linken

(das)