Partei fordert Ausbildungsoffensive: Linke gegen Lehrstellen für Südeuropäer in Deutschland

Partei fordert Ausbildungsoffensive : Linke gegen Lehrstellen für Südeuropäer in Deutschland

Den Plan der Bundesregierung, Lehrstellen an Jugendliche aus Südeuropa zu vergeben, trifft auf harsche Kritik von Seiten der Linken. Sie nannte den Vorschlag eine "Ohrfeige" für die vielen jungen Arbeitslosen in Deutschland.

Die Linkspartei lehnt angesichts der vielen jungen Arbeitslosen in Deutschland Vorschläge der Bundesregierung ab, Lehrstellen an Jugendliche aus Südeuropa zu vergeben. Bevor "Talente aus anderen Ländern" abgeworben würden, müsse eine Ausbildungsoffensive in Deutschland starten, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht der Zeitung "Die Welt".

Sie verwies auf interne Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, nach denen im Mai knapp eine Million Menschen zwischen 15 und 35 Jahren arbeitslos war. Die Hälfte von ihnen hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Die Einladung von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an junge Südeuropäer, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen, sei "eine Ohrfeige für Hunderttausende junge Menschen, die in Deutschland leben und von denen viele nie eine Chance bekommen haben", sagte Wagenknecht.

Rösler hatte in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" an junge Menschen in den südeuropäischen Krisenstaaten appelliert, eine Berufsausbildung in Deutschland zu machen. "Kommt nach Deutschland!", sagte er. In der deutschen Wirtschaft gebe es Zehntausende freie Ausbildungsplätze.

Für Schulabgänger sei es sicher keine leichte Entscheidung, mindestens drei Jahre in ein fremdes Land zu gehen. "Aber die Tür für junge Südeuropäer steht auf, sie sind willkommen. Wir müssen deutlich machen, dass sie die Perspektive haben, als Fachkräfte zu bleiben - auch mit doppelter Staatsbürgerschaft."

Während die Jugendarbeitslosigkeit in einigen EU-Staaten extrem hoch ist, suchen deutsche Unternehmen zum Teil Auszubildende. Am kommenden Mittwoch werden in Berlin die EU-Arbeitsminister über weitere Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit beraten. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben soeben bei ihrem Gipfel in Brüssel eine Jobgarantie für Jugendliche ausgesprochen und sechs Milliarden Euro für die Jahre 2014 und 2015 bereitgestellt.

Das sei ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit, sagte Rösler. "Entscheidender als Beschäftigungsprogramme sind allerdings strukturelle Reformen in den jeweiligen Ländern. Nur mit Arbeitsmarktreformen und mehr Flexibilität werden wir die Jugendarbeitslosigkeit langfristig beseitigen."

(AFP/dpa)
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