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"Störungsfreies Regierungshandeln" gewünscht: Lindner und Garg kritisieren Rösler

"Störungsfreies Regierungshandeln" gewünscht : Lindner und Garg kritisieren Rösler

Die parteiinterne Kritik an der FDP-Führung wird immer stärker: Während sich der schleswig-holsteinische FDP-Vorsitzende Heiner Garg tief enttäuscht über Parteichef Philipp Rösler zeigt, hat der NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner Röslers "Konfrontationskurs" kritisiert.

Als Bundesvorsitzender sei Rösler ein ganz anderer Mensch geworden, sagte Garg dem "Hamburger Abendblatt". Röslers Lockerheit und seine Authentizität, die alle an ihm so gemocht hätten, scheine er verloren zu haben.

"Auch seine Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, vermisse ich immer mehr", sagte der Kieler Gesundheitsminister, der zugleich stellvertretender Ministerpräsident ist. Wegen dieser Eigenschaften habe Rösler bei seiner Wahl als herzlicher und menschlicher Hoffnungsträger der Partei gegolten. "Ich würde mir wünschen, dass er diese Eigenschaften wieder mehr nach außen kehrt. Damit wäre sicherlich ein großer Schritt nach oben getan."

In Schleswig-Holstein finden am 6. Mai Landtagswahlen statt, die FDP muss befürchten, an der Fünfprozenthürde zu scheitern. Erst vor kurzem hatte Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki die Berliner Parteispitze scharf kritisiert und war dabei auch mit dem neuen, von Rösler geprägten Leitbegriff "Wachstum" hart ins Gericht gegangen.

Lindner: Sollten uns auf störungsfreies Regierungshandeln konzentrieren

Der FDP-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, hat seine Kritik an der Berliner Parteiführung bekräftigt. "Nach außen sollten wir uns in Berlin auf professionelles, störungsfreies Regierungshandeln konzentrieren", sagte Lindner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wenn sich die FDP mit ihrem Grundsatzprogramm zum Ziel schuldenfreier Haushalte bekennt, begrüße ich das sehr." Die Entschuldung müsse Vorrang haben vor Entlastungen.

Zurückhaltend äußerte sich Lindner zum Thema Wachstum, das Parteichef Philipp Rösler ins Zentrum des neuen Programms stellen will. "Zweifellos ist das ja auch eine wichtige Frage", sagte er. "Grundsatzprogramme haben in einer Partei eine Funktion nach innen. "

Lindner betonte ferner inhaltliche Übereinstimmungen mit der SPD. "In Nordrhein-Westfalen gibt es die interessante Konstellation, dass sich in manchen Aspekten der Industriepolitik einerseits SPD und FDP nahestehen, andererseits CDU und Grüne. Das finde ich bemerkenswert", sagte Lindner der "FAS". Zwar habe die FDP immer noch Gemeinsamkeiten mit der Union. "In NRW gibt es andererseits eine sozialliberale Tradition", fügte Lindner hinzu. Er kündigte an, auf einem Landesparteitag am 6. Mai gegebenenfalls eine Koalitionsaussage zu treffen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Christian Lindner – der Überflieger

(dpa/AFP)