Proteste am Wochenende Die Letzte Generation in den letzten Zügen

Meinung | Düsseldorf/Frankfurt · Aktionen mit Ansage: An diesem Samstag wollen die Klimaaktivisten unter anderem die Kö in Düsseldorf blockieren. Das ist so klischeehaft, dass man sich fragen muss: Hat die Gruppe noch Potenzial? Es gibt sinnvollere Wege, sich fürs Klima einzusetzen.

Julia Rathcke
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Letzten Generation:  Die aufsehenerregenden Proteste
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Die aufsehenerregenden Proteste der Letzten Generation

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Foto: dpa/Julius-Christian Schreiner

Zuletzt ist es eher ruhig geworden um die Gruppe, die mit ihren Straßenblockaden regelmäßig Teile der Republik lahmlegte oder mit fragwürdigen Farbanschlägen für Aufsehen sorgte. Über eine der jüngeren Aktionen regt sich offenbar nicht mal mehr eine größere Öffentlichkeit auf, es wirkt beinahe wie Parodie: Zwei junge Menschen in Warnwesten bekleben die Außenscheibe der Deutsche Bank Filiale in Dresden mit einem Plakat. In aller Ruhe tun sie das, ein Dritter mit Megafon kommt dazu, streift sich langsam eine Weste über. Die Szenerie ist ruhig, eine Passantin läuft unbeeindruckt vorbei, ein Mann sagt: „Schämt euch mit euren Drecksfingern, macht es ja selber wieder sauber.“ Das war’s.

War es das schon mit dem Kampfgeist der selbst ernannten letzten Verfechter des Klimaschutzes? Sind die jungen Aktivistinnen und Aktivisten ihrem aufständischen Ehrgeiz schon entwachsen? In Berlin halten einige gerade einen Hungerstreik ab, im Regierungsviertel gibt es tägliche Klima-Spaziergänge – es scheint, als solle die Welt in aller Gemütlichkeit gerettet werden. Und das, obwohl der Klimawandel für alle spürbar bleibt: Dass die Temperaturen schon Anfang April mancherorts die 30-Grad-Marke knacken, konnte man vergangenes Wochenende erleben. Kein Zufall, keine Laune des Aprils, sagen Experten. Und prompt kündigte die Letzte Generation neue Aktionen an.

„Ungehorsame Versammlungen“ in verschiedenen Städten haben sie geplant, diesen Samstag sollen unter anderem die Kö in Düsseldorf und die Frankfurter Allee in der Mainmetropole blockiert werden. Dass die Aktionen nun angekündigt werden, mag wenig ungehorsam klingen, ist aber wohl der Tatsache geschuldet, keinen Abbruch zu riskieren. Angemeldete Versammlungen (auch in Form von Blockaden) können nicht kurzerhand von Polizeikräften beendet werden, so viel scheinen die Klimakämpfer von den Bauernprotesten gelernt zu haben. Ihr Ziel, die Luxus-Meile der NRW-Landeshauptstadt, scheint weniger überlegt.

Sind wirklich die Besserverdienenden, die sich einzelne, teure Designerteile von Prada oder Hérmes leisten, Hauptgrund der Klimakatastrophe? Oder ist es nicht vor allem die breite Masse, die unaufhaltsam Fast Fashion konsumiert in den Discountern und Großketten, die nicht nur qualitativ weniger langlebig ist, sondern deren Produktionsstätten in Asien sich eher wenig ums Klima scheren? Second Hand und Vintage-Mode wird immer beliebter, ist in deutschen Innenstädten aber vergleichsweise selten zu kaufen. Die Konsumkritik vor Luxusläden ist klischeehaft – und kaum zielführend. Niemand wird weniger shoppen, nur weil einige Aktivisten mit Plakaten dasitzen. Wenn das Ladensicherheitspersonal sie nicht sowieso kurzerhand vertreibt.

 Shopping auf der Kö: Für diesen Samstag (12. April) hat die Letzte Generation Proteste auf der Luxusmeile ankündigt.

Shopping auf der Kö: Für diesen Samstag (12. April) hat die Letzte Generation Proteste auf der Luxusmeile ankündigt.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Die Letzte Generation war mit einem berechtigten Anliegen gestartet, sie hat viel Aufmerksamkeit mit diversen Aktionen bekommen. Für einige müssen sich Einzelne vor Gericht verantworten. Auch daraus scheint die Gruppe gelernt zu haben: Inzwischen wirbt sie für Trainings unter der Überschrift „Sei gewaltfrei und ungehorsam – wir bringen dir bei, wie!“. Will sie weitermachen, muss die Letzte Generation sich auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit bewegen, das war bisher nicht so. Ihr Erfolg hängt aber auch von Kreativität und Durchschlagskraft auf einem entscheidenden Terrain ab: der Politik. Dass sie mit einer eigenen Liste bei der Europawahl antreten will, hat die Letzte Generation Anfang Februar schon mitgeteilt. Sie hat auch genug Unterschriften für die Zulassung beisammen und erarbeitet nach eigenen Angaben mit Bürgern zusammen ihre zentralen Positionen. Um eine relevante Menge an Wählerstimmen bei der Europawahl Anfang Juni zu bekommen, muss sie aber noch einiges tun. Einkaufsstraßen samstags zu besetzen reicht da nicht.

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