1. Politik
  2. Deutschland

Lethargie im Regierungsviertel - Der Corona-Politik ist die Dynamik abhanden gekommen

Lethargie im Regierungsviertel : Der Corona-Politik ist die Dynamik abhanden gekommen

In den vergangenen Jahren ging es im Juli und August im Regierungsviertel so turbulent zu, dass man schon glaubte, das sogenannte Sommerloch gehöre der Vergangenheit an. In Corona-Zeiten ist es wieder da.

In den vergangenen Jahren ging es im Juli und August im Regierungsviertel so turbulent zu, dass man schon glaubte, das sogenannte Sommerloch gehöre der Vergangenheit an. So wie der Politikbetrieb auch keine Tages- und Nachtzeiten, keine Wochen- und Sonntage mehr kennte, schien auch das jahreszeitliche Phänomen der sommerlichen Nachrichtenarmut der Vergangenheit anzugehören.

In Corona-Zeiten ist es wieder da. Während zwischen März und Mai zweimal wöchentlich Corona-Kabinette neben der normalen Regierungszusammenkunft tagten und die Ministerpräsidenten sich mit der Kanzlerin alle naselang in Telefonkonferenzen zusammenschalteten, passiert nun kaum noch etwas auf Regierungsebene. Corona macht der Gesundheitsminister. Über dem Rest des Berliner Regierungsviertels liegt eine merkwürdige Lethargie - als drohe gar keine zweite Welle. Was im April vielleicht zu viel getagt wurde, das kommt nun zu kurz. Die Länder wursteln zum Schulstart alle alleine vor sich hin, und die Behörden sitzen vor der zweiten Infektionswelle wie das Kaninchen vor der Schlange. Erstarrt.

Nun gab es bei den vielen Ministerpräsidentenkonferenzen viel Streit und viele Indiskretionen. Am Ende ging von den Zusammenkünften aber das Signal aus, dass das Virus gefährlich ist und es der Anstrengung einer ganzen Republik bedarf, es in den Griff zu bekommen. Eine solche Dynamik fehlt im Moment. Es herrscht eher die Stimmung: Augen zu und durch - egal wie schlimm es im Herbst wird. Derweil konzentriert sich die Republik auf den Nebenschauplatz der Corona-Demos, zu denen zwar zahlreiche Menschen kommen, die aber im Vergleich zu 82 Millionen Bürgerinnen und Bürgern hierzulande eine klare Minderheit darstellen. Dies zumindest geben die Umfragen wieder. Akzeptanz für Corona-Maßnahmen gibt es noch. Sie müssen nur klar kommuniziert und umgesetzt werden.