DDR-Bürgerrechtlerin: Lengsfeld erstattet Anzeige gegen Gysi

DDR-Bürgerrechtlerin : Lengsfeld erstattet Anzeige gegen Gysi

Der Druck auf Gregor Gysi wächst: Die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld hat eine Strafanzeige mit weiteren Stasi-Vorwürfen gegen den Linksfraktionschef erstattet.

Nach einem pensionierten Richter hat jetzt auch die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld Strafanzeige bei der Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Gysi erstattet. Hintergrund ist ein Fernsehbericht aus dem Jahr 2008, in dem aus Stasi-Dokumenten zitiert wurde.

Nach Darstellung von Lengsfeld geht daraus hervor, dass Gysi der Stasi auch über ein Gespräch mit dem Dissidenten Robert Havemann berichtet haben soll - obwohl der heutige Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag dies bestritten habe. "Ich finde, dass es reicht mit dem Verwirrspiel von Herrn Gysi. Die Sache muss jetzt geklärt werden", sagte die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

In ihrer Anzeige legt sie Gysi zur Last, dass er in einer eidesstattlichen Versicherung nicht die Wahrheit gesagt habe. Gysi hatte damals laut Lengsfeld eine gerichtliche Unterlassung beantragt und an Eides statt erklärt: "Ich habe weder über dieses Gespräch noch über sonst irgendein Gespräch mit Robert Havemann mit der Staatssicherheit gesprochen."

Die Anzeige sei am Mittwoch eingegangen, bestätigte die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. Die Behörde ermittelt bereits gegen Gysi - dabei wird ebenfalls der Vorwurf geprüft, ob der Politiker eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Es geht um die Frage, ob er als Anwalt in der DDR mit der Stasi zusammengearbeitet hat.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die verschiedenen Vorwürfe gegen Gysi in einem Verfahren zusammengefasst werden. In dem ersten Fall sei völlig offen, ob die Ermittlungen noch vor der Bundestagswahl abgeschlossen werden. Zudem prüfe die Staatsanwaltschaft, ob Gysis Immunität zur Klärung der neuen Vorwürfe noch einmal aufgehoben werden müsse. Als erstes hatte das ARD-Magazin "Fakt" am Dienstagabend über die Anzeige Lengsfelds berichtet.

Der dpa sagte Lengsfeld, bisher habe es kein Hauptsacheverfahren gegen Gysi gegeben, in dem auch Zeugen gehört worden seien. "Ich möchte, dass es dazu kommt." Die Stasi-Vorwürfe gegen Gysi reißen seit Jahren nicht ab. Bisher hat er sich gerichtlich erfolgreich gegen den Vorwurf gewehrt, er habe Mandanten in der DDR verraten oder ausspioniert.

Während ihrer Haft im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen habe Gysi an ihrer Abschiebung in den Westen mitgewirkt, ohne von ihr dazu ermächtigt worden zu sein, schreibt Lengsfeld in ihrer Anzeige. Schon damals habe sie den Eindruck gewonnen, dass er mit der Stasi gesprochen und auch zusammengearbeitet habe.

Linke-Chefin Katja Kipping sicherte Gysi erneut volle Solidarität zu. Der Fraktionschef habe "die komplette Unterstützung der Partei von der kleinsten Basisgruppe bis hin zur Parteispitze", sagte sie in einem Phoenix-Interview.

Lengsfeld, die damals noch Wollenberger hieß, war Anfang 1988 nach Protesten am Rande der staatlichen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet und dann nach England abgeschoben worden.
Nach dem Mauerfall erfuhr sie, dass sie auch von ihrem eigenen Mann bespitzelt worden war.

(dpa/felt)