Leipziger OB Burkhard Jung veröffentlicht Drohungen nach Schweinefleischdebatte in Kita

„An den Galgen oder standrechtlich erschießen“ : Leipziger OB veröffentlicht Drohungen nach Schweinefleischdebatte in Kita

Hat die Kita in Leipzig richtig gehandelt, indem sie aus Rücksicht auf zwei muslimische Kinder Schweinefleisch von der Speisekarte genommen hat? Jetzt ist eine politische Diskussion entstanden, in die sich auch der Oberbürgermeister geschaltet hat.

Im Fall der zwei Leipziger Kindertagesstätten, die Schweinefleisch in Rücksicht auf muslimische Kinder von der Speisekarte gestrichen hatten, ermittelt die Polizei wegen Drohungen. Die Drohungen seien von der Kita-Leitung angezeigt worden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) veröffentlichte auf Facebook eine Dokumentation der Androhungen, die die Einrichtungen nach seinen Angaben erreicht haben. „Ich bin sprachlos“, teilte der Oberbürgermeister Jung mit. Demnach gingen weit mehr Drohungen gegen die Kitas ein, als er veröffentliche. Die Einrichtungen werden von einem freien Träger betrieben.

Zwei Kitas in Leipzig hatten vergangene Woche angekündigt, aus Rücksicht auf andere Kulturen kein Schweinefleisch mehr auf den Speiseplan zu setzen und etwa auf Gelatine in Süßigkeiten bei Feiern zu verzichten. Laut Bericht der „Bild“-Zeitung wurde die Entscheidung aus Rücksicht auf zwei muslimische Kinder getroffen. Fromme Muslime sollen nach den Regeln des Islams kein Schweinefleisch essen.

Dann veröffentlichte er noch die Drohungen, die nach der Debatte veröffentlicht worden sind: „An den Galgen mit dir oder standrechtlich erschießen“, „Frau …, sie führen sofort wieder Schweinefleisch ein, bis 30.7. ansonsten wird die Kita abbrennen, wenn auch zum Nachteil der Kinder. Nein, das ist kein Scherz. Und wenn sie auch die Polizei einschalten, sie wird brennen. Und sie werde ich zusammenschlagen, bis dass sie im Krankenhaus liegen und berufsunfähig sind!!! Also los oder Feuer!“, „Ich werde sie nicht nur krankenhausreif schlagen, ich werde sie töten, mit einem Messerstich ins Herz.“

„Den Untergang des Abendlandes und Gefahr für unsere aufgeklärte Freiheit geht nicht von denen aus, die aus welchen Gründen auch immer eine andere Ernährungskultur haben, als es am tradierten deutschen Stammtisch üblich ist, sondern von denen, denen jeglicher moralischer Kompass und der Anstand verloren gegangen ist“, schrieb Jung auf Facebook. Es sei unverantwortlich, die Essensauswahl einer Kita zum Untergang unserer Kultur hochzustilisieren, betonte er.

Nach einer massiven öffentlichen Debatte nahmen die Einrichtungen von der Speiseplanänderung wieder Abstand. Zugleich äußerte der Leiter der Kitas, Wolfgang Schäfer, sein Unverständnis über die Aufregung. Denn die Mehrheit der Eltern habe die Entscheidung begrüßt.

(mja/dpa)
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