40 statt 100 Millionen Euro Lauterbach gibt weniger Geld für Long-Covid-Forschung aus als geplant

Berlin · Der Gesundheitsminister sieht statt 100 Millionen Euro nur noch gut 40 Millionen Euro für die Versorgungsforschung vor. Mit zusätzlichen Maßnahmen soll den Betroffenen rasch geholfen werden können, auch wenn Karl Lauterbach bei Long Covid von einem dauerhaften Problem ausgeht.

 Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, informiert in der Bundespressekonferenz über ·Long-Covid-Initiativen.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, informiert in der Bundespressekonferenz über ·Long-Covid-Initiativen.

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Mehr als drei Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie rücken die Langzeitfolgen der Infektion immer stärker in den Fokus. „Für die Menschen mit Long Covid ist die Pandemie leider noch lange nicht beendet“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Mittwoch in Berlin. Aktuelle Erkenntnisse deuteten darauf hin, „dass viele Betroffene wahrscheinlich dauerhaft betroffen sein werden“. Leider gebe es „noch keine Therapiekonzepte, die durchschlagen“. Zudem sei zu befürchten, dass die Zahl der Long-Covid-Erkrankten weiter ansteige, so Lauterbach.

Um betroffenen Menschen schnellstmöglich zu helfen, hat der Minister ein neues Programm vorgestellt. Es teilt sich auf in mehr Forschungsgelder, eine Informationsseite im Internet für Ärzte, Patienten und deren Angehörige (www.bmg-longcovid.de) sowie einen Runden Tisch im Herbst 2023 mit Menschen, die an Long Covid leiden.

Doch bei den zugesagten Forschungsgelder musste Lauterbach angesichts der knappen Haushaltsmittel erhebliche Abstriche machen. So sind statt der von ihm Anfang des Jahres in Aussicht gestellten 100 Millionen Euro nur noch insgesamt 41 Millionen Euro für die Versorgungsforschung geplant. 21 Millionen Euro davon kommen ab 2024 aus dem Ministeriumsbudget, weitere 20 Millionen Euro bekommt Lauterbach aus dem Investitionsfonds.

Wieviele Menschen von Post Covid oder Long Covid betroffen sind, ist unklar. Schätzungen zufolge könnten es zwischen sechs und 15 Prozent der Corona-Infizierten sein, sagte Lauterbach. „Die Lage ist schlechter, als wir uns das erhofft hatten noch vor einem halben Jahr“, sagte er. Der volkswirtschaftliche Schaden gehe jetzt schon in die Milliarden, so Lauterbach. Er bezog sich dabei auf eine Studie, die der Frankfurter Ökonom Afschin Gandjour veröffentlicht hat. „Als Faustformel würde ich sagen, dass ein zweistelliger Milliardenbetrag auch in Anbetracht des negativen Wirtschaftswachstums problematisch wäre“, hatte Gandjour unserer Redaktion gesagt.

Doch welche Symptome sind typisch bei Betroffenen? Post Covid kann mit einer Vielzahl körperlicher, kognitiver und psychischer Symptome einhergehen. Dies erschwert oft die Diagnose, ein einheitliches Krankheitsbild lässt sich bislang nicht abgrenzen. Häufige Beschwerden sind starke Erschöpfung – sogenannte Fatigue –, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme – auch als Gehirnnebel bezeichnet – Müdigkeit, Kurzatmigkeit, psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen sowie Riech- und Schmeckstörungen bis hin zu Muskel- und Gliederschmerzen.

Auch Organschäden, etwa an Herz, Lunge, Niere und Gehirn sind möglich. Laut einer Studie des University College London wurden bisher mehr als 200 verschiedene Symptome auf Long Covid zurückgeführt. Vielen Ärztinnen und Ärzten in Deutschland fehlten Kenntnisse für die Behandlung – Long-Covid-Symptome werden oftmals als psychosomatische Erkrankung missverstanden. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind noch nicht geklärt.

Die Long-Covid-Expertin der Charité, Carmen Scheibenbogen, zeigte sich bei der Vorstellung des Programms zuversichtlich, dass man in einigen Jahren wirksame Mittel zur Behandlung von Long Covid habe. Voraussetzung sei eine ausreichende Förderung der Forschung.

Die Deutsche Rentenversicherung teilte unterdessen auf Anfrage mit, man habe im vergangenen Jahr 1000 Erwerbsminderungsrenten aufgrund von Post Covid bewilligt. Insgesamt wurden 2022 demnach 1088 Erwerbsminderungsrenten im Zusammenhang mit Covid-19 erstmals bewilligt, sagte eine Sprecherin. 2021 waren es noch insgesamt 89 Erwerbsminderungsrenten gewesen, die coronabedingt genehmigt wurden. 13 von diesen Renten seien der Diagnose Post Covid zuzuordnen gewesen. Zudem würden die Entlassungsberichte aus dem Jahr 2021 ergeben, dass insgesamt 14.035 Reha-Leistungen im Zusammenhang mit Covid-19 durchgeführt wurden, so die Rentenversicherung. Etwas mehr als 10.000 dieser Rehabilitationen wurden zur Behandlung von Folgezuständen nach Covid-19 gewährt. Zahlen für 2022 lagen der Deutschen Rentenversicherung nicht vor.

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