NRW-Gesundheitsminister: Laumann will mit Impfstoffhersteller neu verhandeln

NRW-Gesundheitsminister : Laumann will mit Impfstoffhersteller neu verhandeln

(RP). Die anhaltende Impfmüdigkeit der Bürger beim Thema Schweinegrippe stellt Gesundheitspolitiker im Bund und Länder vor große Probleme. So wollen die Bundesländer mehr als zwei Millionen Impfdosen an das Ausland verkaufen. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigt im Interview Nachverhandlungen mit dem Hersteller des Impfstoffs, dem britischen Konzern GlaxoSmithKline, an.

Eine Zeitlang drohte ein Engpass bei den Impfstoffen gegen die Schweinegrippe, jetzt ist plötzlich zu viel da. Werden deshalb die Impf-Appelle der Politiker wie beim gestrigen Impfgipfel wieder lauter?

Laumann Am Anfang haben wir diejenigen bevorzugt geimpft, die zu den Risikogruppen zählen ­ also Ärzte, Sanitäter, Krankenschwestern oder Feuerwehr. Jetzt bekommt jeder eine Impfung, wenn er sie möchte.

Ist sie denn noch nötig?

Laumann Ich empfehle sie und sehe mich im Einklang mit unseren Experten vom Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institut. Nur so lässt sich eine Massenpandemie verhindern. Aber wir haben den mündigen Bürger und Patienten. Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Es gibt keine Impfpflicht.

Gibt es schon Anzeichen für eine Mutation des Grippe-Virus?

Laumann Die ist akut nicht vorhanden. Aber keiner kann die Gefahr einer gefährlichen Mutation ausschließen.

Sind Sie persönlich geimpft?

Laumann Ich gehörte nicht zu den Risikogruppen. Deshalb bin ich bislang noch nicht geimpft. Aber da nun die Impfung für alle Bevölkerungsgruppen offen ist, werde ich mich auch in Kürze impfen lassen.

Jetzt lagert der Impfstoff erst einmal bei Ihnen in den Depots. Müssen Sie bei nachlassender Impfbereitschaft dem Hersteller alle 50 Millionen Portionen abnehmen?

Laumann Wir haben klare Verträge. Wir müssen aber mit der Firma über die Menge reden. Die vereinbarte Größenordnung - für Nordrhein-Westfalen sind es etwas über zehn Millionen Portionen — haben wir für 30% der Bevölkerung bestellt, als die Ständige Impfkommission noch zwei Impfungen pro Person empfohlen hatte. Da nun eine Impfung ausreicht, sollten wir versuchen, nicht alles abzunehmen.

Sie haben also zu viel bestellt?

Laumann Anfangs gingen die Experten von zwei Impfungen pro Person aus. Erst seit einer Woche wissen wir sicher, dass wir weniger brauchen.

Die Länder haben offenbar schlecht mit dem Hersteller GlaxoSmithKline verhandelt.

Laumann Langsam. Die Pharma-Unternehmen haben uns bei jeder Infektionswelle der jüngeren Zeit riesige Vorräte an Medikamenten und Impfstoffen aufgenötigt. Allein das Mittel Tamiflu, das gegen die Vogelgrippe, aber auch gegen die Neue Grippe, verabreicht wird, hat uns 67 Millionen Euro gekostet.

Was wollen Sie tun?

Laumann Die Schweinegrippe ist eine Ausnahme. Aber in Zukunft kann die Seuchenbekämpfung nicht allein Aufgabe des Staates sein. Die Pharma-Unternehmen müssen über das ganz normale Regelsystem die entsprechenden Mittel bereitstellen.

Wie lang soll die Impfaktion überhaupt noch laufen angesichts der Impfmüdigkeit?

Laumann Wir bleiben im Plan, auch wenn einiges witterungsabhängig bleibt. Ich rechne damit, dass wir bis Ende Februar den Großteil der Impfwilligen versorgt haben. Danach wird es aber weiterhin möglich sein, sich impfen zu lassen.

Manche Ärzte verweigern die Impfung. Ist das verantwortungslos?

Laumann Ich bin mit der Haltung der meisten Ärzte zufrieden. Die Hausärzte und andere niedergelassene Mediziner haben in Nordrhein-Westfalen vorbildlich mit den Gesundheitsämtern zusammen gearbeitet. Vergleichen Sie das mal mit der Situation in Berlin, wo Sie lange nach einer Impfstelle suchen müssen.

Bundesgesundheitsminister Rösler will für die Gesundheitsreform eine Regierungskommission einrichten. Sind Sie dabei?

Laumann Das weiß ich nicht. Die Kommission wird im Februar konstituiert.

Sie sind nicht unbedingt ein Anhänger der von der Koalition geplanten einheitlichen Gesundheitsprämie.

Laumann Ich habe eine ganz klare Vorstellung von der Finanzierung des Gesundheitssystems. Sie muss solidarisch sein. Wenn am Ende mein Fahrer und ich den gleichen Beitrag zu den Gesundheitskosten leisten, halte ich das nicht für solidarisch.

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