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Landtagswahl 2021 Baden-Württemberg Ergebnis: Grüne triumphieren

Hochrechnungen und Ergebnisse : Kretschmanns Grüne triumphieren in Baden-Württemberg

Die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg deutlich gewonnen. Die CDU rutscht auf einen Tiefststand. Die Ergebnisse im Überblick.

Die Grünen haben ihre Stellung als dominierende Kraft in Baden-Württemberg den ersten Hochrechnungen zufolge ausgebaut. Die Partei von Ministerpräsident Kostenpflichtiger Inhalt Winfried Kretschmann kam bei der Landtagswahl am Sonntag auf 32,6 Prozent, ein Plus von 2,3 Punkten. Das ist das beste Grünen-Ergebnis jemals bei einer Landtagswahl.

Der Koalitionspartner CDU musste unter Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann deutliche Verluste hinnehmen: Die Partei verliert fast 3 Punkte und landet bei nur noch 24,1 Prozent.

Mit weitem Abstand folgten AfD, SPD und FDP. Die AfD büßt am meisten ein im Vergleich zu der Wahl vor fünf Jahren und landet nur auf Platz fünf. Sie bekommt 9,7 Prozent, das ist ein Minus von 5,4 Prozent. Die SPD liegt mit schwachen 11,0 Prozent auf Platz drei vor der FDP, die sich auf 10,5 Prozent steigern kann - ein Plus von 2,2 Prozent. Die Linke verfehlt mit 3,6 Prozent klar den Einzug in den Landtag.

Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand sprach von einem „großen Vertrauensbeweis“ für seine Partei. „Wir wissen heute Abend nicht, mit wem wir wollen.“ CDU-Generalsekretär Manuel Hagel sagte: „Das ist ein ganz bitterer Abend für die CDU Baden-Württemberg.“ Man drücke sich nicht davor, weiter zu regieren. Aber der Ball liege nun bei den Grünen.

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten als erster Stimmungstest vor der Bundestagswahl am 26. September. Für die Union, die bundesweit in den Umfragen weit vor den Grünen liegt, sind die Resultate der CDU in beiden Ländern ein schwerer Rückschlag. In Rheinland-Pfalz landete die CDU deutlich hinter der SPD von Regierungschefin Malu Dreyer. Das Top-Ergebnis der Südwest-Grünen dürften der Bundespartei Rückenwind geben.

Bei der Südwest-CDU ist nach der Pleite ein Machtkampf um die künftige Aufstellung absehbar. Die 56-jährige Eisenmann, die auch um ihr Direktmandat bangen muss, steht vor dem politischen Aus. Die Ministerin hatte sich im Machtkampf um die Spitzenkandidatur so manche Feinde in der Partei gemacht, als sie mit Hilfe der Fraktion Vize-Ministerpräsident und Landeschef Thomas Strobl zur Seite drängte. Strobl gilt als Vertrauter von Kretschmann und könnte wohl am ehesten die Verhandlungen für eine Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition führen. Die CDU will unbedingt verhindern, neben der AfD in der Opposition zu landen.

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Die Südwest-SPD rutscht im Gegensatz zur rheinland-pfälzischen Landespartei immer weiter ab. Ein Hoffnungsschimmer für die SPD in Baden-Württemberg, zu der auch die Bundesvorsitzende Saskia Esken gehört, könnte eine Regierungsbeteiligung in einer Ampel mit Grünen und FDP sein. Die Liberalen gehen gestärkt aus der Wahl und hatten sich schon davor zu einem Bündnis mit Grünen und SPD bereit erklärt.

Der Wahlsieg der Grünen festigt die Vormachtstellung der Ökopartei in Baden-Württemberg, die Wahlforscher vor allem an der starken Stellung des Landesvaters Kretschmann festmachen. Dagegen hat sich die über fast sechs Jahrzehnte dominierende CDU innerhalb von 15 Jahren fast halbiert, im Jahr 2006 lag sie noch bei 44,2 Prozent.

Vor zehn Jahren war Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten gewählt worden, nachdem Grün-Rot die schwarz-gelbe Koalition des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) überholt hatte. 2016 wurden die Grünen dann erstmals stärkste Partei, allerdings reichte es nicht mehr für eine Koalition mit der SPD. Kretschmann ging ein Bündnis mit der CDU ein.

Insgesamt waren 7,7 Millionen Menschen aufgerufen, über einen neuen Landtag abzustimmen. Darunter sind etwa 500 000 Erstwählerinnen und Erstwähler. 2016 lag die Wahlbeteiligung bei 70,4 Prozent. Diesmal hatten corona-bedingt viele schon vorher per Brief gewählt.

Der Wahlsieg der Grünen und die Schlappe der CDU hatten sich schon vor der Wahl in Umfragen abgezeichnet. Kultusministerin Eisenmann stand demnach im Schatten des äußerst beliebten Regierungschefs. Der Wahlkampf im Südwesten war stark von der Pandemie bestimmt und fand fast nur online statt. Eisenmann brachte sich als Verfechterin offener Schulen („unabhängig von Inzidenzzahlen“) ins Gespräch, was ihr aber in Umfragen nichts brachte. Sie versuchte die Grünen und Kretschmann vor allem bei der Teststrategie vor sich herzutreiben, aber auch das kam kaum beim Wähler an - obwohl auch Kretschmanns Krisenkurs nicht frei von Widersprüchen und Pannen war.

(ahar/csi/hebu/dpa)