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Afghanistan-Einsatz: Kujat: "Druck der Alliierten wird anhalten"

Afghanistan-Einsatz : Kujat: "Druck der Alliierten wird anhalten"

Düsseldorf (RP). Generalinspekteur a. D. Harald Kujat äußert sich im Interview mit unserer Redaktion zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Seiner Meinung nach wir der Druck der Alliierten auf Deutschland weiter anhalten.

Nach der Rede von Verteidigungsminister Gates ist der Eindruck entstanden: Die Amerikaner haben uns wieder lieb. Wird das so bleiben?

Kujat Das denke ich nicht. Die Amerikaner sind sehr höfliche und freundliche Menschen. Gates hat sehr geschickt das deutsch-amerikanische Verhältnis aus der Problematik herausgeholt und wieder in den richtigen Kontext gestellt: Afghanistan ist eine Nato-Angelegenheit.

Ist der Druck auf Deutschland, sich in Südafghanistan zu engagieren, also noch nicht vorbei?

Kujat Nein. Auf keinen Fall. Es geht um das Prinzip der Solidarität in der Nato. Das heißt: Wer mehr leisten kann, muss auch mehr leisten. Deutschland gehört zu den größeren Staaten in der Allianz. Die Adresse richtet sich zwar an alle, aber Deutschland ist nach wie vor gemeint.

Denken Sie, Deutschland könnte einen Einsatz im Süden schultern und dabei die Bevölkerung mitnehmen?

Kujat Das ist sehr schwierig. Wir haben erst sehr spät erkannt, dass es hier ein Problem gibt. Besonders in einer Zeit, in der wir uns in schnellen Schritten der nächsten Wahl nähern, neigen Parteien natürlich nicht dazu, irgendwelche Risiken einzugehen. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Die Konferenz hat zu Recht an den Doppelbeschluss erinnert, wo Hunderttausende gegen die Regierung Kohl standen, die Regierung aber das durchgesetzt hat, was sie für richtig hielt und was sich dann als richtig erwiesen hat.

Kann Deutschland bei der Obergrenze von 3500 Soldaten bleiben?

Kujat Ich denke, Deutschland kann mehr leisten. Es gab Zeiten, da hatten wir über 10 000 Soldaten im Auslandseinsatz. Derzeit sind es rund 7000. Das ist auch eine ganze Menge, denn man muss die Zahl immer verdreifachen: Ein Kontingent bereitet sich vor, eines ist drin und eines kommt raus. Dennoch ist der prozentuale Anteil der Bundeswehrsoldaten im Einsatz sehr niedrig im Vergleich zum Beispiel zu den Kanadiern oder den Briten.

Hat die Bundeswehr überhaupt die Fähigkeiten zu einem Einsatz im Süden?

Kujat Die Soldaten sind optimal ausgebildet. Aber wenn sich die Regierung zu einem Einsatz im Süden entschlösse, müssten sie auch optimal ausgerüstet sein. Das ist nach meinem Eindruck bislang nicht der Fall. Wenn man die Herausforderungen in Stufen betrachtet, dann ist die derzeitige Aufbauhilfe zwar riskant, aber am unteren Ende der Gefährdung. Was wir mit der Eingreiftruppe machen werden, ist schon eine Stufe höher. Ein Einsatz im Süden wäre eine andere Qualität. Die Ausrüstung brauchen wir über das gesamte Spektrum, denn sie entscheidet nicht nur über den Einsatzerfolg, sondern auch über das Maß der Sicherheit für die Soldaten. Im Augenblick würde ich deshalb nicht dazu raten, dort hi-nunter zu gehen. Wir müssen aber die Zeit nutzen, unsere Soldaten optimal auszurüsten.

Gregor Mayntz sprach mit Harald Kujat

Hier geht es zur Infostrecke: Afghanistan: Welche Länder wieviele Soldaten stellen

(RP)