Kritik an Kramp-Karrenbauer: „Fastnacht ist nicht dafür da, dass die Obrigkeit sich über die 'kleinen Leute' lustig macht“

Kritik an Kramp-Karrenbauer-Witz hält an : „Fastnacht ist nicht dafür da, dass die Obrigkeit sich über die 'kleinen Leute' lustig macht“

Der Druck auf die CDU-Chefin steigt. Sie steht weiter in der Kritik für ihren fragwürdigen Karnevals-Witz über Toiletten für intersexuelle Menschen. Politiker und Verbände fordern eine Entschuldigung von Kramp-Karrenbauer.

Während sich die 56-Jährige am Montag nicht zu ihrem umstrittenen Auftritt vor dem „Stockacher Narrengericht“ in der vorigen Woche in Baden-Württemberg äußern wollte, forderten Politiker und Verbände sie zu Selbstkritik auf. Rückendeckung bekam Kramp-Karrenbauer von Nordrhein-Westfalens Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (CDU). „Man mag den Witz von AKK als Büttenrednerin nicht toll finden, aber in fast jeder Büttenrede kommen Frauen- oder Männerwitze vor, über die gelacht wird. Wer also das dritte Geschlecht als solches gleich behandeln will, sollte auch mit Witzen über dieses klarkommen“, sagte Güler der Deutschen-Presse-Agentur. Kramp-Karrenbauer hatte zur Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht gesagt: „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist die Toilette.“ Dokumentiert wurde die Passage unter anderem vom Satiremagazin „Extra 3“:

„Natürlich ist eine Entschuldigung fällig. Das erwarten wir“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in der Union, Alexander Vogt, im SWR. Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock betonte, ein Witz könne immer mal missglücken. „Aber wenn man sich dafür nicht entschuldigt, wenn er auf Kosten von Minderheiten geht, dann steckt da mehr dahinter.“ Ähnlich sieht das Linken-Chef Bernd Riexinger.

Auf die Frage, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel zu solchen Karnevals-Kalauern stehe, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert zwar: „Büttenreden kommentiere ich nicht.“ Er könne aber gerne über die Politik der Bundesregierung zu Intersexualität Auskunft geben. Die Rechte dieses Personenkreises sei erst Ende Dezember gesetzlich gestärkt worden. Nun könne neben „männlich“ und „weiblich“ auch „divers“ ins Geburtenregister eingetragen werden. Zudem sei für Menschen mit Variationen der Geschlechtsentwicklung die Möglichkeit geschaffen worden, ihre Eintragungen beim Standesamt, was Geschlechtszugehörigkeit oder auch den Vornamen betrifft, nachträglich zu ändern. „Wir setzen damit eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts um.“

Petra Weitzel, erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität sagte unserer Redaktion: „Was die Bundeskanzlerin in Ausbildung noch lernen muss, ist Anstand und Respekt vor allen Menschen, falls sie nicht als Sanitärexpertin in die Geschichte eingehen möchte.“ Weiter sagte sie: „Fastnacht ist nicht dafür da, dass die Obrigkeit sich über die 'kleinen Leute' lustig macht, sondern umgekehrt.“ Kramp-Karrenbauer beleidige und verletze die Gefühle aller transsexuellen, intersexuellen und nichtbinären Menschen. Diese wüssten selbstverständlich um ihr Geschlecht. Für eine Entschuldigung Kramp-Karrenbauers sei es aber längst zu spät. Die würde keiner mehr ernstnehmen.

Mehr von RP ONLINE