Kritik an Klara Geywitz aus eigenem SPD-Landesverband

Gegenwind aus den eigenen Reihen : Brandenburger SPD-Schatzmeister hält Klara Geywitz für ungeeignete Parteichefin

Die Co-Bewerberin von Vizekanzler Scholz im Rennen um den Parteivorsitz bekommt Gegenwind - aus den eigenen Reihen. Von der zwischenmenschlichen Wärme her könne sie auch eine Geflügelfarm leiten. Die Empörung in der Partei ist groß.

Die Brandenburger SPD-Politikerin Klara Geywitz hat aus dem eigenen Landesvorstand heftige Kritik an ihrer Bewerbung für den Bundesvorsitz bekommen. Schatzmeister Harald Sempf sprach ihr die Eignung ab. „Für die erste Reihe der Partei, und dann noch im Duo mit Olaf Scholz, ist sie nicht die Richtige“, sagte Sempf dem „Spiegel“. Wenn er Minister wäre, würde er sie aber zur Staatssekretärin machen und könne sich keine bessere vorstellen.

Geywitz bewirbt sich im Team mit Bundesfinanzminister Scholz um den SPD-Bundesvorsitz. Bei der Landtagswahl in Brandenburg konnte sie zuletzt kein Direktmandat holen und wird deshalb nicht im neuen Landtag vertreten sein.

Foto: dpa/Soeren Stache

Geywitz sei zwar ein politisches Talent und eine klar denkende Analytikerin, sagte Sempf. Aber die SPD brauche Politiker mit Wärme. „Klara Geywitz könnte von der zwischenmenschlichen Wärme her auch eine 10 000er-Geflügelfarm leiten.“

Andere SPD-Politiker reagierten mit Unverständnis oder gar Empörung. Geywitz' Konkurrent im Rennen um den Parteivorsitz, Karl Lauterbach, twitterte: „Sie ist äußerst fair und hört auch den Menschen gut zu. Die Diffamierung ihrer Person ist schäbig und entspricht ihr in keiner Weise.“ Ein weiterer Mitbewerber, SPD-Vize Ralf Stegner, schrieb bei Twitter: „So ist es. Fairer Wettbewerb mit viel Gemeinsamkeiten und klaren Unterschieden - darum geht es, wenn wir wollen, dass unser Grundwert Solidarität wieder vorgelebt wird.“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig regte sich in dem Dienst auf: „Genau diese Art & Weise von Machos in unserer Partei und Gesellschaft muss aufhören! Dieser Umgang ist auch ein Grund warum sich Menschen von unserer Partei abgewandt haben.“ Auch die frühere Bundesjustizministerin und heutige Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, verteidigte die Angegriffene: „Klara Geywitz ist einer der liebenswertesten, humorvollsten und anständigsten Menschen, die mir in der Politik begegnet sind.“

Vorstandsmitglied Sempf verteidigte seine kritischen Worte. „Hier geht's um die Führung der Partei. Da legt man eben Maßstäbe an“, sagte Sempf der Deutschen Presse-Agentur.

(mja/dpa)
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