Kramp-Karrenbauer verärgert über Aufwand bei Mali-Reise

Truppenbesuch : Ministerin verärgert über Reise-Aufwand

Weil wegen ihres Besuches in Mali Heimflüge vertagt wurden, droht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Konsequenzen und wählt dafür einen ungewöhnlichen Weg.

„Gekracht“ hat es im Verteidigungsministerium nach der Rückkehr von Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer von ihrer Einsatzreise nach Niger und Mali. Die neue Chefin reagierte damit auf die Nachricht, dass wegen des hohen Besuches in Afrika die dort eingesetzten Soldaten tagelang nicht ihrem gewohnten Dienst nachgehen und etliche von ihnen nicht wie geplant nach Hause fliegen konnten.

Schneller als andere Amtsinhaber vor ihr hat Kramp-Karrenbauer durch ihre direkte Art, mit den Soldaten in Kontakt zu kommen, eines der größten Handicaps ihres Amtes aus nächster Nähe kennengelernt: Die Struktur, die Hierarchie und die Einstellung der militärischen Führer auf den einzelnen Ebenen verhindern, dass es „oben“ genauso ankommt, wie es „unten“ erkannt wird. Sie wolle sich ein ungeschminktes Bild von der Realität im Einsatzgebiet machen, hatte die Ministerin während ihrer Reise mehrfach betont - und von Station zu Station mehr erfahren, dass da viel geschminkte Bilder präsentiert wurden.

Durch ausführliche „Vorübungen“ für den Ministerbesuch sei der Betrieb für manche Truppenteile praktisch lahmgelegt worden. Für die Begleitdelegation waren mit großem Aufwand zusätzliche klimatisierte Räumlichkeiten geschaffen worden. Mancherorts lag noch der Geruch von frischer Farbe in der Luft. Und in einem Marketender, also einem Shop für private Einkäufe der Soldaten, seien Getränke nicht mehr verkauft worden, um diese beim Ministerin-Besuch vorrätig haben zu können.

Der schwerwiegendste Vorwurf, den die Ministerin nun via Deutsche Presse-Agentur in die eigene Befehlskette zurückschleuderte, war die Vertagung von Heimflügen, auf die die Soldaten seit Monaten sehnsüchtig gewartet hatten. Doch die Truppentransportmaschine wurde ebenfalls für die Einsatzreise der Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt reserviert. „Wenn wegen meinen Besuchen Soldatinnen und Soldaten auf ihre Flüge warten müssen, dann sage ich meine Reise entweder ab oder es muss sichergestellt werden, dass wir gemeinsam fliegen können“, lautete die klare öffentliche Ministerin-Anweisung.

Der ungewöhnliche Schritt, diese Ansage nicht über den Dienstweg sondern über die Öffentlichkeit an die Soldaten zu richten, unterstreicht das Misstrauen gegenüber der Befehlskette im eigenen Laden. Möglicherweise hätte diese Vorgabe der Ministerin die Soldaten auf den internen Wegen nicht erreicht. Doch sollen sich künftig alle daran orientieren können, die in die Vorbereitungen eines solchen Besuches einbezogen sind. Sie wolle dem Wunsch, ein realistisches Bild vermittelt zu bekommen auch durch unangemeldete Besuche durchsetzen, wenn sich das Problem anders nicht in den Griff bekommen lasse, unterstrich die Ministerin.

Bei den Besuchen der Ministeriumsspitze ist jeder Verantwortliche vor allem daran interessiert, ein möglichst gutes Bild abzugeben. Von Soldaten wird das häufig als Theater-Inszenierung erlebt.

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