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Interview: Korte: "Ampel ist möglich"

Interview : Korte: "Ampel ist möglich"

Der Politologe Karl-Rudolf Korte hält eine Mehrheit für Steinbrück nur für möglich über eine Ampel-Koalition. Dafür sieht er derzeit aber nur eine geringe Chance. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Korte zudem über Merkels Stärken und wie Steinbrück dagegen halten kann.

Kann der frühere Finanzminister Peer Steinbrück Bundeskanzlerin Angela Merkel schlagen?

Korte: Er kann Mehrheiten gegen Merkel vermutlich nur über eine Ampel-Koalition organisieren. Dass er die Ziellinie vor Angela Merkel überschreitet, ist nach jetziger Lage unwahrscheinlich.

Warum gibt es nach sieben Jahren Kanzlerin Angela Merkel keine Wechselstimmung im Land?

Korte: Weil die Kanzlerin mit ihrem erklärungsarmen Pragmatismus gut in die Zeit passt. Können Sie mir nur ein Thema nennen, bei dem sie dogmatisch polarisierend an einer einzigen Problemlösung festgehalten hat? Bei der Atomenergie-Verlängerung wäre das der Fall gewesen, aber selbst solche Eckpunkte wurden vollkommen revidiert. Ich kenne keine geschicktere "Themendiebin" als die Vorsitzende der CDU, die somit mehrheitsfähig bleibt; hinzu kommen Qualitäten, die sich nicht so schnell abnutzen: uninszeniert, auf Gebaren der Macht verzichtend.

Wie realistisch ist die Ampel-Koalition angesichts der tiefen Abneigung von Grünen und FDP?

Korte: Im Moment erscheint es unwahrscheinlich. Wenn aber eine Alternative zum Regieren sich am Wahlabend auftut, werden auch die Grünen nach langen Jahren der Berliner Opposition ihre vermeintlich letzte Chance ergreifen.

Muss sich der als Finanzpolitiker bekannte Peer Steinbrück gesellschaftspolitischen Themen zuwenden?

Korte: Ja, auch wegen der Mobilisierung der eigenen Kernwähler. Aber auch die Union hat in gesellschaftspolitischen Themen viel rot geblinkt in den letzten Jahren.

Wie lange hält die SPD einen Kandidaten Steinbrück aus?

Korte: Nur bis zum Wahltag.

Michael Bröcker stellte die Fragen.

(brö)