Sonderauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage Ganz miese Stimmung im industriellen Mittelstand

Berlin · Die Stimmung im industriellen Mittelstand ist im Keller – und nicht einmal ein Viertel der Unternehmen will die Investitionen in Zukunft ausweiten. Eine Sonderauswertung der Herbst-Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) malt ein düsteres Bild.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnt vor dem Verlust der industriellen Basis in Deutschland.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnt vor dem Verlust der industriellen Basis in Deutschland.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Zwei von fünf deutschen Industriebetrieben mit bis zu 200 Beschäftigten erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten. Das geht aus einer Sonderauswertung der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage zur Lage im industriellen Mittelstand hervor. Demnach geht derzeit nur noch jeder zehnte Betrieb – elf Prozent nach 16 Prozent im Frühsommer – von einer Verbesserung der Geschäftslage aus. Die Aussichten haben sich damit gegenüber dem Frühjahr deutlich verdüstert und sind im industriellen Mittelstand schlechter als im Mittelstand insgesamt, erklärte die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Befragt wurden 5100 Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern im Oktober.

Ökonomen gehen derzeit noch von einer Belebung der Konjunktur im vierten Quartal des Jahres aus, doch legt man nur die Stimmung im industriellen Mittelstand zugrunde, könnten diese Prognosen auch zu optimistisch sein. Die mittelständischen Industrieunternehmen leiden stärker als der Mittelstand insgesamt unter den hohen Rohstoff- und Energiepreisen, die 71 Prozent der Betriebe (im Mittelstand insgesamt 61 Prozent) als größtes Geschäftsrisiko einstufen. Sorge bereitet den Unternehmen aber auch zunehmend die Nachfrageschwäche: „Aufgrund der anhaltenden Konjunkturschwäche, der Investitionszurückhaltung und wegen des Abbaus von Lagerbeständen fürchten fast zwei Drittel der kleinen und mittelgroßen Industrieunternehmen eine mangelnde Inlandsnachfrage – bei Mittelständlern insgesamt sind es ,nur´ gut die Hälfte (53 Prozent)“, heißt es in dem DIHK-Papier. Fachkräftemangel, Arbeitskosten und schlechte politische Rahmenbedingungen, vor allem die überbordende Bürokratie, werden in dieser Reihenfolge als weitere größte Geschäftsrisiken genannt.

Das wirkt sich auf die Investitionspläne aus. „Nicht mal ein Viertel will seine Investitionen ausweiten (23 Prozent nach 28 Prozent im Frühsommer), aber fast vier von zehn wollen ihre Investitionstätigkeit zurückfahren (37 Prozent nach 26 Prozent im Frühsommer)“, so die DIHK-Ergebnisse. „Besonders bedenklich ist dabei, dass die Investitionsmotive überwiegend in Ersatzinvestitionen (65 Prozent), Rationalisierung (39 Prozent) und Umweltschutz (29 Prozent) liegen. Nur 27 Prozent nennen als Motiv die Produktinnovation und lediglich 21 Prozent wollen Kapazitäten erweitern. Das liegt deutlich unter den langjährigen Durchschnittswerten“. schreibt die DIHK.

„Die Lage und die Erwartungen sind insgesamt im Mittelstand schon schlecht. Bei den kleinen und mittelgroßen Industriebetrieben geht es aber noch deutlicher bergab“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Die Wirtschafts- und Standortpolitik darf den industriellen Mittelstand nicht aus dem Auge verlieren“, mahnte Wansleben.

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