Kommentar zur Bürgerschaftswahl in Bremen: Kleines Land, große Wirkung

Kommentar zur Bürgerschaftswahl in Bremen : Kleines Land, große Wirkung

Die Wähler im roten Bremen haben nach den Prognosen vom Sonntagabend erstmals die CDU der SPD bevorzugt. Das ist ein Riesenerfolg der Christdemokraten, die an der Weser bisher noch nie den Regierungschef stellten. Und ein deutliches Zeichen für eine Wechselstimmung.

Auch wenn ihnen die Eroberung des Bürgermeisterpostens versagt bleiben sollte, weil die geschwächte SPD die Linken ins Boot holen und die erste rot-grün-rote Koalition in einem westlichen Bundesland bilden sollte: die Wahl ist für sie ein wichtiges Zeichen. Nämlich für eine Wechselstimmung. Und zwar gar nicht für die reine CDU-Lehre, sondern für die Art Politik zu machen.

Der Bremer CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder tauchte 2017 aus dem politischen Nichts auf. Er gehörte nicht der Partei an und stand auch nicht für ihre Werte in den Bereichen Familie und Religion und Konventionen. Aber der IT-Unternehmer wirkte authentisch und mit seinen 58 Jahren neugieriger, risikobereiter und lockerer als viele Jüngere in der Partei. Vielen Bremern hat das gefallen. Damit ist allerdings noch nicht bewiesen, dass er auch ein guter Regierungschef wäre. Diese Prüfung stünde aus.

Für die große Koalition im Bund ist das Erstarken der CDU an der Weser so oder so eine Last. Der Verlust ihrer letzten großen Bastion im Westen macht der ohnehin gebeutelten SPD zu schaffen. Sollte sie trotzdem in Bremen weiter die Regierung führen, indem SPD-Mann Carsten Sieling die Linke zum Koalitionspartner macht, wird sich die CDU verschaukelt fühlen. In beiden Fällen löst das Druckwellen bis nach Berlin aus. In jedem Fall haben es aber weder CDU noch SPD wirklich in der Hand. Denn welche Koalition in Bremen gebildet wird, entscheiden die Grünen. Sie können es sich aussuchen. Sie sind an diesem Sonntag die großen Gewinner.

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