Kommentar zum Fall Khashoggi: Härte zeigen gegen Riad

Kommentar zum Fall Khashoggi : Härte zeigen gegen Riad

In der deutschen und europäischen Politik ist eine Debatte über den weiteren Umgang mit Saudi-Arabien nach dem Fall Khashoggi entbrannt. Unser Kommentator rät zu mehr Distanz.

Der Tod des regimekritischen, saudischen Journalisten Kha­shoggi reiht sich ein in die Historie der doppelten Standards des saudischen Königshauses. Nach außen reformorientiert und modern, nach innen brutal und bisweilen tödlich. Zunächst wurde so getan, als hätte Khashoggi das Konsulat verlassen, dann war es plötzlich ein tödlicher Streit, den man sich nicht erklären könne. Wer soll all das glauben, wenn zufällig an dem Tag 15 regierungstreue Saudis, darunter auch ein Leibwächter des Kronprinzen bin Salman und ein bekannter Forensiker aus Riad für 24 Stunden per Privatjet nach Istanbul einreisen? Die Indizien sind erdrückend. Und sie passen zu dem Bild eines Königshauses, das die Wertschätzung und das Geld der Welt anlocken will, aber in Wahrheit im Mittelalter verharrt. Zur Erinnerung: Der saudische Blogger Raif Badawi, ausgepeitscht wegen Islamkritik, sitzt noch in Haft.

Darf man so ein Regime hofieren? Nein! Realpolitik hat Grenzen. Und nichts schmerzt autoritäre Herrscher wie Mohammed bin Salman mehr wie der Liebesentzug der Mächtigen der Welt. Das war schon bei Putin nach dem Rauswurf aus den G-8 zu beobachten. Das Fernbleiben großer Konzerne und Investoren beim Wüsten-Davos, Sanktionen und ein Stopp sämtlicher Militärlieferungen wären das Minimum. Frau Nahles hat recht. Das Verhältnis des Westens zu Saudi-Arabien muss grundsätzlich auf den Prüfstand.

(brö)
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