Kommentar zum Diesel-Skandal: Nostalgie ist kein Geschäftsmodell

Diesel-Skandal: Nostalgie ist kein Geschäftsmodell

Die Geschichte der deutschen Autoindustrie ist eine der Ingenieurskunst, der Wohlstandssicherung für Millionen, der Exportstärke. Das Auto war seit Carl Benz nie nur ein Fortbewegungsmittel. Es war Identität. Nostalgie ist aber kein Geschäftsmodell.

Und auch eine Autofahrernation muss nicht akzeptieren, dass die großen Hersteller offenbar über Jahrzehnte Verbraucher getäuscht, Emissionen verschwiegen und Aufsichtsgremien ausgetrickst haben. Satte Gewinne auf Kosten der Umwelt. Und die Autolobby in den Ministerien und Behörden schaute zu.

Eine Gratis-Umrüstung der Motoren ist das Mindeste, eine finanzielle Entschädigung für die Kunden und eine Entschuldigung wären beim Diesel-Gipfel am Mittwoch besser. Die Konzerne können sich auf empfindliche Strafen der EU einstellen, wenn nur Bruchteile der Kartellvorwürfe zutreffen.

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Besonders dramatisch ist, dass die Autoindustrie die ökologische Trendwende verschläft. Die Weltnachfrage nach Premium-Autos mit Verbrennungsmotor wird spätestens einbrechen, wenn abgasgeplagte Schwellenländer wie China Fahrverbote erlassen. Autos "Made in Germany" würden zum Ladenhüter. Das ist das eigentliche Risiko für die 800.000 Beschäftigten.

(brö)