Kommentar zu Hassbotschaften im Internet

Kommentar zu Hassbotschaften : Bedrohliche Schieflage

Zwar ist die Zahl der offiziell gezählten Hassbotschaften im Netz seit 2016 nach Angaben der Behörden rückläufig. Das sollte jedoch nicht über eine weiter bedrohliche Schieflage im digitalen Streit hinwegtäuschen.

Wer die Kommentare allein zum Mord an Walter Lübcke oder zur Seenotrettung im Mittelmeer liest, stößt auf massenhaft menschenverachtende Einträge. Hass ist allgegenwärtig.

Entscheidend dafür, ob eine Debattenkultur zivilisiert ist und das Ringen unterschiedlicher Meinungen auf Grundlage unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stattfindet, ist die Frage, wie stabil das Wertegerüst jedes Einzelnen ist. Wenn Schreihälse ihre Botschaften in die Welt krakeelen, die alle möglichen Grenzen des guten Benehmens und fairen Umgangs überschreiten, braucht es dafür keinen Filtermechanismus, sondern möglichst viel sachliche Gegenrede. Das ist anstrengend, mitunter frustrierend, aber nie Zeitverschwendung. Wer im Freundeskreis, in der Familie oder unter Kolleginnen und Kollegen gegen Hass, Rassismus und Ausgrenzung argumentiert, hilft dem Schutz der Meinungsfreiheit.

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