Kommentar Wahlalter ab 16 – warum eigentlich nicht?

Meinung | Berlin · Es ist ein gutes Vorhaben, das Wahlalter für die Bundestagswahl auf 16 abzusenken. Das Argument, 16- und 17-Jährige sind nicht ausreichend informiert, zählt nicht.

Plenarsitzung im Bundestag. (Archiv)

Plenarsitzung im Bundestag. (Archiv)

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden alle vier Jahre in einer allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahl bestimmt. So will es das Grundgesetz. Das Wahlrecht ist eine Errungenschaft, es ist ein Privileg. Doch anders, als eine wörtliche Auslegung des Prinzips der allgemeinen Wahl bedeuten würde, dürfen in Deutschland nur Staatsbürger an der Bundestagswahl teilnehmen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Wer jünger ist, kann in manchen Bundesländern wählen oder auf kommunaler Ebene. Doch warum nicht auch mit 16 oder 17 bei der Bundestagswahl mitmachen? Die Gegner einer Absenkung des Wahlalters argumentieren oftmals mit mangelnder Reife der unter 18-Jährigen. Mit zu geringen Kenntnissen von Politik. Oder damit, dass dieses Privileg unserer freiheitlichen Demokratie einhergehen müsste mit der Volljährigkeit. Und die wolle man ja nicht auf 16 absenken. Aber warum müsste das denn so sein? Bei der Bundestagswahl geht es darum, Repräsentanten des Volkes ins Bundesparlament zu wählen. Mehr als eine Million Wahlberechtigte kämen bei einer Absenkung des Wahlalters auf 16 hinzu. Jugendliche in dem Alter haben jeden denkbaren Zugang zu Informationen, können sich politisch bilden, wissen Bescheid. Warum also sollte das Argument des angeblich mangelnden Politik-Verständnisses bei 16- und 17-Jährigen greifen, bei desinteressierten 40-, 50- oder 60-Jährigen aber nicht? Wie zahlreiche politische Initiativen von Jugendlichen zeigen, wissen sie, was los ist. Von mangelnder Reife kann also nicht die Rede sein. Und Länder wie Österreich, wo ab 16 auf Bundesebene gewählt werden darf, machen laut Studienergebnissen vor, dass so etwas zu einem besseren Demokratieverständnis in jungen Jahren beitragen kann. In der ohnehin immer älter werdenden deutschen Gesellschaft kann das nicht schaden.

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