Kommentar: Auswahl belebt das Geschäft bei den Grünen

Mehrere Kandidaten für Parteivorsitz: Auswahl belebt das Geschäft bei den Grünen

Die niedersächsische Fraktionsvorsitzende Anja Piel tut den Grünen mit ihrer Kandidatur für den Parteivorsitz einen Gefallen. Sie stärkt die innerparteiliche Demokratie.

Denn die Wiederwahl der bisherigen Vertreterin des linken Parteiflügels in der Führung, Parteichefin Simone Peter, galt als ausgeschlossen. Folgerichtig hat Peter ihre Kandidatur jetzt zurückgezogen. Ende Januar können sich die Parteitagsdelegierten jetzt zwischen der linksgerichteten Sozialexpertin Anja Piel und der durchsetzungsstarken Realo-Energieexpertin Annalena Baerbock entscheiden.

Dabei wird sich auch zeigen, wie sehr die Grünen der alten Flügelarithmetik noch verhaftet sind, wonach die Linken und der moderatere Realo-Flügel je einen Vorsitzenden stellen müssen. Der bisher einzige männliche Kandidat für die neue Doppelspitze, Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck, gilt ebenfalls dem Realo-Flügel zugehörig, wenngleich er selbst das so nicht unterschreiben möchte.

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Entscheiden sich die Delegierten für Habeck und Baerbock — was wahrscheinlich ist — setzen sie damit auch ein Zeichen: Die Flügelarithmetik wäre ihnen dann weniger wichtig als eine optimale Neubesetzung. Habeck und Baerbock würden ein vielversprechendes Team bilden, das der Partei neue Aufmerksamkeit verschaffen kann. In den Jamaika-Verhandlungen haben die Grünen bereits gezeigt, dass sie auch mit der Union regieren könnten. Das hat die Partei verändert. Sie ist nicht nur mehr in die Mitte gerückt. Sie hat auch ihr Profil als einzige echte ökologische politische Kraft gestärkt.

(mar)