Bilanz der Meldeportale der AfD : So machen es die Populisten

Verschwörungen bekämpfen und Tabus brechen, die es gar nicht gibt – das kann die AfD besonders gut. Beobachten lässt sich das jetzt wieder an der Bilanz der Meldeportale, mit denen die Partei linkslastige Lehrer aufspüren wollte.

Erinnern Sie sich an die Meldeportale, die die AfD freischalten ließ? „Neutrale Schule“ oder ähnlich hießen sie und sollten bedenkliche (also nach Ansicht der AfD: linkslastige) Äußerungen von Lehrern sammeln. Etwa ein Jahr ist das her; jetzt hat die „FAZ“ Bilanz gezogen. Die Zahl der Meldungen ging zwar teils in die Tausende, aber vor allem, weil AfD-Gegner aufgerufen hatten, Unsinn zu hinterlassen. Die Zahl der Disziplinarvorgänge, die durch die Portale angestoßen wurden, reichte je nach Land von null bis acht. Das nährt nicht gerade den Verdacht, an unseren Schulen werde massenhaft linksgrüne Indoktrination betrieben – es sei denn, man dehnt seine Paranoia auf die Bildungsverwaltung aus, die da ein ganz großes Ding ignoriere.

Das Ganze wirft aber ein Licht auf zwei Aspekte der populistischen Kommunikation. Erstens: ein Tabu behaupten, wo gar keins ist, und dann genüsslich dieses angebliche Tabu brechen. Kommt immer dann zur Anwendung, wenn es um eine vorgebliche Meinungsdiktatur geht. Das steckte ja auch hinter den Schulportalen: Jetzt sollte es den Alt-68ern aber mal gezeigt werden, die seit Jahrzehnten etwa unsere Geschichte „mies und lächerlich“ machen (so Björn Höcke).

Zweite Strategie: einen Missstand konstruieren, wo gar keiner ist, und sich dann als einzige Kraft anbieten, die ihn abstellt. So setzt sich die AfD für den Erhalt des Bargelds ein, das aber gar niemand von politischer Relevanz abschaffen will. Selbst wenn, wie unlängst auf Wangerooge, der Nachschub mit Kupfermünzen eingestellt wird, steckt dahinter kein politischer Plan, sondern Ökonomie – der Bank war der Transport zu teuer.

Die große Bargeldverschwörung gibt es nicht, ebenso wenig wie die große Schulverschwörung. Populistische Versuche dagegen, Verschwörungen zu erfinden – die gibt es sehr wohl.

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