Völkischer Nationalismus entspringt einem Mangel an Gott- und Selbstvertrauen.

Kolumne: „Gott und die Welt“ : Christ sein heißt Vertrauen haben

Wer sich von Gott geliebt weiß, muss sich nicht über andere setzen.

Ohne Vertrauen geht nichts im Leben. Ohne grundsätzliches Vertrauen, dass Menschen Gutes wollen, wäre das Leben von Angst bestimmt. Dieser Tage erscheint mir das Vertrauen aber brüchig wie selten zuvor. Besonders das Vertrauen in staatliche Institutionen und die Demokratie insgesamt schwindet. Manche in der Politik schüren Misstrauen und spielen geradezu mit der Angst. Sie predigen Hass, teilen die Welt mit ihrem wachsenden völkischen Nationalismus in „Wir“ und „Die“ und missachten in ihrem Reden und Handeln die Menschenwürde.

In diese Stimmung hinein setzt der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag, der seit Mittwoch in Dortmund stattfindet, seine biblische Losung: „Was für ein Vertrauen“. Die mehr als 100.000 Gäste des Kirchentags gehen dem nach, was Vertrauen wachsen lässt: Für Christenmenschen ist es das Gottvertrauen, von dem die Kirchentagslosung spricht. Wer sich von Gott geliebt und geachtet weiß, hat genug Selbstvertrauen, sich nicht über andere setzen zu müssen. Wer sein Vertrauen auf Jesus Christus setzt, der lässt sich und sein Leben nicht von Angst bestimmen. Wer seinem Weg folgt, kann gar nicht anders, als diese Welt mitzugestalten.

Im christlichen Glauben liegen verheißungsvolle Perspektiven für ein vertrauensvolles Miteinander von uns Menschen. Davon bin ich überzeugt. Und deswegen bin ich dankbar, dass so viele Menschen in Dortmund beieinander sind, um im Hören auf Gottes Wort und in der auch leidenschaftlichen Debatte miteinander nach Wegen zu suchen, damit in unserer zerrissenen Welt Vertrauen wächst und soziale, politische und gesellschaftliche Herausforderungen gemeistert werden – um Gottes und der Menschen willen.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski schreibt hier an jedem vierten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de