Kolumne: Total Digital: Zwei von jeder Art

Kolumne: Total Digital: Zwei von jeder Art

Rankings werden im Internet immer wichtiger. Aber wer legt sie eigentlich fest?

Früher war ich leidenschaftlicher Sammler: Hörspiel-Kassetten, Steine, Comicbücher, Schnapsgläser, Bierdeckel, Filme - sobald ich von irgendeiner Sache zwei Exemplare hatte, wollte ich auch den Rest haben. Gleichzeitig fing ich an, Sammlungen sehr präzise zu katalogisieren. Meine Filmliste enthielt daher nicht nur Infos zu Titel, Länge und Entstehungsjahr, sondern auch über auf der DVD vorhandene Audiospuren sowie eine persönliche Bewertung mit bis zu fünf Sternen - obwohl ich die Liste niemandem zeigte.

Man sollte meinen, ich müsste mich aufgrund meiner Vorlieben über das, was in der digitalen Welt passiert, besonders freuen - immerhin werden hier Daten jeglicher Art permanent gesammelt und gewichtet, so dass wir jederzeit wissen, welches Hotel die besten Bewertungen hat, welche Route die schnellste ist, welches Produkt wir kaufen sollten oder wie viele Freunde unseren Beitrag in einem sozialen Netzwerk gut finden. Alles wird vergleichbar gemacht: Hier ein "Gefällt mir", dort fünf Sterne oder eine Top Ten: Das Netz ist ein Ort der Listen und Rankings.

Oft finde ich das sehr nützlich und verlasse mich auf solche Rankings: Ich klicke das erste Ergebnis an, das mir Google nach einer Suche empfiehlt, oder kaufe das Produkt, das bei den Amazon Ergebnissen an der Spitze steht.

Manchmal frage ich mich allerdings, wer diese Reihenfolge eigentlich festlegt und worauf sie basiert? Eine Antwort gibt es nicht - die Algorithmen sind Geschäftsgeheimnisse der Digitalkonzerne. Bei Lebensmitteln oder Medikamenten gibt es Inhaltsangaben. Eigentlich bräuchte es sowas auch für die Algorithmen. So könnte man sehen, welche Kriterien zugrundegelegt wurden.

Immer häufiger fange ich deswegen an zu stöbern, klicke mich absichtlich zunächst durch hintere Ergebnislisten. Denn Geschmack ist ja relativ - das weiß jeder, der meine Filmliste sieht.

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(frin)