Kolumne: Total digital : Das Ende der Marken

Alexa und Co. machen das Bestellen noch bequemer – aber der Preis ist hoch.

Vor einigen Jahren war ich in einem großen Elektrogeschäft und stand suchend vor einem Regal. Ich habe vergessen, was ich kaufen wollte, ich weiß nur, dass ich zwischen zwei preislich ähnlichen Produkten geschwankt habe – bis mich ein Verkäufer ansprach: „Sie sehen aus wie jemand, der Wert auf Qualität legt.“ Selbstverständlich, nickte ich. Gut erkannt. Dann, sagte der Verkäufer mit verschwörerischem Ton, würde er mir dieses Produkt empfehlen. Das sei zwar teuer, aber damit wäre ich ganz vorne mit dabei. Mal ehrlich: Wer will das nicht?

Im Nachhinein habe ich mich geärgert, wie leicht er mich überreden konnte, aber immerhin: Ich wurde zwar beeinflusst, hatte aber theoretisch die freie Auswahl. Im Grunde ist das auch heute noch so, im Internetzeitalter. Auch Google und Amazon empfehlen mir aktuell eine Reihe von Produkten und es obliegt dem Kunden, sich für eins zu entscheiden.

Doch momentan nähern wir uns mit rasenden Schritten der nächsten Stufe der Digitalisierung. Die Vorboten heißen Google Home und Amazon Alexa, es sind Sprachsteuerungen. Wer sie um Rat fragt, erwartet und bekommt auf seine Frage normalerweise genau eine Antwort. Wer die Folgen verstehen will, sollte mal beim Batteriehersteller Duracell nachfragen.

Denn Amazon begann vor einigen Jahren, über seine Eigenmarke „Amazon Basics“ günstige Batterien anzubieten. Und wer heute Alexa auffordert, Batterien zu bestellen, bekommt als Option Amazons Eigenmarke. Für Duracell und andere Hersteller ist genau das eine Katastrophe, denn sie verlieren hier ihren Zugang zum Kunden.

Langfristig könnte das den Tod vieler Marken bedeuten. Für Kunden ist das auf den ersten Blick positiv, sie werden seltener von Werbeversprechen verführt.

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