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Kolumne "Total Digital": Die erlaubte Spionage

Tracker im Netz : Die erlaubte Spionage

Beim Surfen im Netz fühlen wir uns weitgehend unbe­o­b­achtet. Von wegen.

Heute beginnen wir mit einer Schätzfrage: Wenn Sie eine völlig unverdächtige Web­seite ansteuern, wer erfährt davon? Klar, der Seitenbetreiber als Gastgeber. Aber wer noch? Mark Semmler, einer von Deutschlands führenden Experten für IT-Sicherheit, lässt ein Programm auf seinem Laptop laufen, das sogenannte Tracker identifiziert. Verfolger, die sich an unsere digitalen Spuren heften. In wenigen Sekunden erscheint auf seinem Bildschirm ein dichtes Geflecht von Punkten und Linien. Etwa zwei bis drei Dutzend solcher Spione heften sich an jede unserer digitalen Bewegungen, ob im Dienst von Google, Facebook, Amazon oder als Teil von Apps. Mögen wir uns online auch privat fühlen – jeder Klick wird gesehen, gespeichert, gehandelt und mit allen möglichen anderen Daten kombiniert. Das Schnüffeln ist legal, denn wir selbst haben es erlaubt, mit jedem achtlosen Klick auf „Okay“, wenn nach dem Zulassen von Cookies gefragt wird. Was nach Krümelmonster klingt, bedeutet nichts anderes als Schnüffelprogramm. „Überwachungskapitalismus“ und „parasitäre Ökonomie“ nennt die Harvard-Professorin Shoshana Zuboff diese gesetzlich bislang kaum geregelte systematische Verfolgung. Zwar gibt es kostenlose Programme, die die Verfolger identifizieren, sie werden aber kaum genutzt. Es ist wie mit Warnhinweisen und Beipackzetteln – je mehr davon herumfliegen, desto leichtsinniger wird der Kunde.
Doch man könnte das Hinterherschnüffeln erschweren, sagt Mark Semmler. Wenn man erstens jedes Update zulässt, zweitens den Browser-Verlauf löscht und drittens die Sicherheitseinstellungen seiner Geräte durchgeht. Apps sollte man möglichst nie das General-Okay für den Zugriff auf alle Daten erteilen.

Der Journalist Hajo Schumacher schreibt hier über seine Entdeckungsreise in der digitalen Welt. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de