Kolumne: Total Digital: Gönnen wir Firmen auch gute Seiten

Kolumne: Total Digital: Gönnen wir Firmen auch gute Seiten

Wenn deutsche Weltkonzerne sich wie gewünscht stärker öffnen, wittern wir schnell PR.

Kürzlich habe ich mit der Gründerin eines deutschen Startups gesprochen, das Geld für eine millionenschwere Investition einsammeln konnte. Jetzt steht der Durchbruch in den USA an. "Der Unterschied zu Deutschland ist: Du musst mit einer Vision dein Geschäft vorstellen, wie du die Welt verbessern möchtest", sagte sie mir. "Sonst beschäftigen sich die Kunden erst gar nicht mit dir." Deutsche Firmen müssen in den USA über ihren Schatten springen. Fremdeln wir doch hierzulande mit der Ansicht, dass Unternehmen Gutes tun können.

Nicht umsonst ist das alte Google-Motto "Don't be evil" (sei nicht böse) hierzulande immer belächelt worden. Als ich in London das erste europäische Communities Summit (Gemeinschaftsgipfel) von Facebook besucht habe, fiel auf: Facebook lud Gruppen-Administratoren ein, die ehrenamtlich in ihren Diskussionsgruppen den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Der Konzern will das sogar mit bis zu zehn Millionen US-Dollar fördern.

Was ich mich frage: Wie kommt das in Deutschland an? Pure PR, werden viele sagen. Was mich stört: Genau die, die bisher von Facebook forderten, mehr im Kampf gegen Hassbotschaften zu tun, belächeln gerne solche Aktivitäten. Gestehen wir in Deutschland Unternehmen nicht zu, auch Gutes zu tun?

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Zugegeben: Die Schlagzeilen, wonach Unternehmen haarsträubende Entscheidungen zu Lasten von Angestellten oder gar des Allgemeinwohls treffen, begleiten uns Woche für Woche. "Warum sollten Konzerne etwas ,Gutes' unternehmen, was nicht Imagebildung oder Profitmaximierung als zugrundeliegende Interessen hätte?", twitterte mir jemand.

Genau das ist der Punkt: Für uns hängt das eine zwingend mit dem anderen zusammen. In Deutschland werden wir misstrauisch, wenn Unternehmer aufrichtig daran glauben, auch etwas Gutes zu tun. Wir sollten uns eine differenziertere Sichtweise aneignen: Profit und etwas Gutes tun sind kein automatischer Widerspruch.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(dafi)