Kolumne: Total Digital: Digitalisiert unsere Politiker!

Kolumne: Total Digital: Digitalisiert unsere Politiker!

Die Vernetzung stellt unsere Welt auf den Kopf. Wer wird als nächstes überflüssig?

Ein Gespenst geht um in der Welt. Ein nur schwer fassbares Phänomen, das die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf stellen wird: die Digitalisierung. In Deutschland, wo technische Entwicklungen oft mit ein paar Jahren Verzögerung eintreffen, sieht man der Sache gelassen entgegen. Einer Ifo-Umfrage zufolge glauben 54 Prozent aller Deutschen, von der Digitalisierung eher zu profitieren. Gerade mal 15 Prozent fürchten, dass die Digitalisierung negative Folgen für sie hat.

Alles halb so wild? Sobald unsere Werkshallen, Werkzeuge und Arbeitsprozesse elektronisch erfasst und vermessen sind, werden vernetzte Maschinen damit beginnen, eigenständig miteinander zu kommunizieren, und damit einen Großteil unseres Arbeitsmarktes obsolet machen. Eine Oxford-Studie prognostiziert, dass bis 2030 fast jeder zweite Arbeitsplatz in den USA automatisiert sein könnte.

Betroffen sind dabei nicht länger nur einfache Tätigkeiten, wie seinerzeit bei der Industrialisierung. Dieser Wandel betrifft auch hochqualifizierte Jobs, etwa Ärzte oder Anwälte. Schon heute kann der Computer, der auf weltweite medizinische Röntgenbild-Archive zurückgreift, zuverlässiger Tumore erkennen als mancher Chefarzt. Laservermessung und 3D-Drucker ersetzen Kieferorthopäden oder Zahntechniker.

  • Das ist Sigmar Gabriel

Immerhin, der Koalitionsvertrag von Union und SPD ließ kurz hoffen. Tatsächlich wurden darin den Themen Bildung, Weiterbildung und Netzausbau viele Seiten gewidmet. Doch nur wenige Tage später war schon wieder alles beim Alten: Die Posse um Martin Schulz und Sigmar Gabriel zeigt, was das eigentliche Gespenst ist, vor dem wir Angst haben sollten. Manchmal wünscht man sich, die Berufsgruppe, die als nächste durch Computer ersetzt wird, wären die Politiker.

Richard Gutjahr ist Moderator für das Bayerische Fernsehen und Blogger. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de