Steuern und Abgaben: Die Häme gegen Christian Lindner ist ungerecht

Kolumne: „Mit Verlaub!“ : Hagelkörner auf Christian Lindner

Wenigstens die FDP und ihr Chef kritisieren noch das Hochsteuerland Deutschland.

Die Menschen lieben ihre Freiheiten, aber nicht die Freien Demokraten. Das muss kein Widerspruch sein, denn zum einen sind wir Menschen ein Bündel aus Widersprüchen und im Übrigen aus krummem Holz; zum anderen scheint trotz gelegentlich kleinerer FDP-Wahl­erfolge der bitter-drastische Befund des liberalen Tausendsassas Wolfgang Kubicki zu gelten, wonach „die Marke FDP generell verschissen“ habe.

Letzteres wurde mir zuletzt an einem Beispiel aus dem immergrünen Thema Steuern und Abgaben erneut bewusst. Kaum hatte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner im Stil eines Nebenerwerbssprechers des Bundes der Steuerzahler eine Entlastung der Bürger verlangt, prasselten Hagelkörner an Häme und Bösartigkeiten auf ihn nieder. Es versammelten sich in kurzen Abständen sonst durchaus seriös auftretende Freunde der fixen digitalen Kommunikation zum Niedermachen.  Die einen badeten in Empörung über den „wirklich üblen Post“, ein ehemaliger CDU-Generalsekretär erkannte in ihm das typische „libertäre Menschenbild“, das die Staatsaufgaben Krankenkassen, Rente, Polizei, Lehrer und Straßenbau nicht ausreichend würdige. Andere pöbelten, Wirtschaftsliberalen sei die Sinnhaftigkeit von Steuern scheißegal und Lindner sei asozial; ein Krimi-Schriftsteller begann seinen abenteuerlichen Post auch grammatikalisch unbeholfen: „Steuern zahlen ist okay, weil für einen guten Zweck.“

Nur wenige Antworten auf Lindners berechtigten Hinweis, dass bis zum 15. Juli jeder steuerzahlende Bürger auch 2019 wieder für den Staat gearbeitet habe, zeigten Verständnis für den Überbringer der ärgerlichen Botschaft. Ich zähle mich dazu und freue mich ausdrücklich, dass es unter den hergebrachten politischen Parteien wenigstens eine gibt, die das Hochsteuerland nicht für gottgegeben hält.

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