Politisch Inkorrekt: Wenn einer Ministerin die eigene Partei egal ist

Politisch Inkorrekt : Wenn einer Ministerin die eigene Partei egal ist

Die Volkspartei CDU will jetzt noch keine starre Frauenquote. Doch ihre Abgeordneten sollen sie 2020 einführen. Das ist das Ergebnis einer grandiosen Erpressung durch eine Frau, die selbst Bundesministerin wurde – und das ganz ohne Quote.

Die Volkspartei CDU will jetzt noch keine starre Frauenquote. Doch ihre Abgeordneten sollen sie 2020 einführen. Das ist das Ergebnis einer grandiosen Erpressung durch eine Frau, die selbst Bundesministerin wurde — und das ganz ohne Quote.

Welchen Wert ein Parteitagsbeschluss der hippen CDU von heute noch hat — darüber wurde schon geschrieben. So wundert es niemanden, dass die erst im Dezember 2012 beschlossene "Flexi-Quote" bald Geschichte sein wird. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und eine Handvoll GetreuInnen — wie man jetzt wohl schreibt — haben ihre Partei kurz in Geiselhaft genommen, und schon schwenkt die Union murrend auf rot-grünen Kurs ein. Daran ändert die Abstimmung gestern im Bundestag nichts.

Um die Erpressung der eigenen Partei zu begründen, beriefen sich die Quoten-Fans auf ihre Gewissensfreiheit, die Abgeordneten gesetzlich garantiert ist. Gewissen? Darauf bezogen sich Volksvertreter in Deutschland bisher bei ethischen Kategorien — Abtreibung, Sterbehilfe, Stammzellforschung, Krieg oder Frieden. Aber eine Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte von Dax-Unternehmen? Und wen betrifft die? Vielleicht 200 oder 300 Frauen, die als Anwärterinnen auf so einen Job ohnehin auf der Karriereleiter weit oben stehen. Die Abstimmung darüber im Parlament hatte mit Gewissen nicht mehr zu tun als eine Entscheidung über den Neubau einer Bundesstraße.

Noch erstaunlicher ist, wie unbekümmert die vielen positiven Entwicklungen in der Frauenpolitik in der Debatte ignoriert werden. 55 Prozent der Abiturienten waren 2011 weiblich, bei der Zahl der Hochschulabsolventen haben sie mit den Jungs gleichgezogen. In der Wirtschaft ist die Zahl weiblicher Führungskräfte auf 28 Prozent (Stand 2010) gestiegen, bei den Professorenstellen haben die Frauen annähernd gleichgezogen, bei den Krankenhausärzten auch. Wir werden von einer Kanzlerin regiert, inzwischen haben wir vier Ministerpräsidentinnen, gerade wurde die Präsidenten-Stelle des NRW-Verfassungsgerichts neu besetzt — mit einer Frau. Eine Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts gab es schon. Starke Frauen haben beim Bertelsmann-Konzern und beim größten Zeitungshaus des Landes das Sagen. Sie haben es geschafft — durch Leistung, Fleiß und Intelligenz, aber ohne Quote. Und sie haben es nicht verdient, durch die von der Leyens, Süssmuths und Schwarzers zu armen Hascherln herabgewürdigt zu werden, die ohne Staat keine Karriere-Chance hätten.

Aber Frauen führen wirklich anders als Männer. Eine Ministerin, die auf die Beschlüsse ihrer eigenen Partei pfeift, die der Regierung und Kanzlerin droht, im Wahljahr mit der Opposition gegen die eigene Politik zu stimmen — ich denke, männliche Kanzler wie Adenauer, Kohl oder Schröder hätten dieser Dame längst den Stuhl vor die Tür gesetzt.

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(RP/gre)
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