Kolumne: Mit Verlaub!: Von Turnern und Politikern

Kolumne: Mit Verlaub!: Von Turnern und Politikern

"Isch over" - das hört kein Politiker gern. Eine Amtszeit- Begrenzung wäre eine Hilfe.

Jede Turnerin, jeder Turner an Reck, Barren und Boden weiß: Der Abgang krönt die Übung. Spitzenpolitikerinnen und -politiker wissen das auch - theoretisch. Ihr Karrierealltag zeigt aber, dass vielen unter ihnen der krönende Abschluss nicht nur misslingt, sondern dass ihnen nichts daran gelegen zu sein scheint, weil eine gefühlte, ihnen vielleicht eingeflüsterte Unentbehrlichkeit ihr Denken und Handeln trübt.

Nicht selten sind es dieselben, denen im Zenit ihrer Laufbahn durchaus eindrucksvolle Salti und Riesenfelgen gelungen sind, denen am Schluss ihrer Übung schwere Patzer unterlaufen, die das Gesamtbild beschädigen. Es heißt dann meistens, die- oder derjenige mit dem verkorksten Abgang wäre vernünftigerweise zur letzten Übung nicht mehr angetreten und hätte besser trainierten, unverbrauchten jüngeren Teamkollegen Platz machen sollen.

Wer in den vergangenen Wochen und Monaten in die zermürbten Gesichter führender älterer Berliner Sportskameradinnen und -kameraden geschaut hat, musste kein studierter Medikus sein, um zu erkennen, was Wolfgang Schäuble einst in anderem Zusammenhang badisch-lakonisch so ausgedrückt hat: "Isch over."

Dennoch: Angela Merkel wollte es noch einmal wissen, Horst Seehofer - nicht an der Isar, aber an der Spree - ebenfalls, Ursula von der Leyen sowieso. Bei bedeutenden Bundeskanzlern war es ähnlich: Konrad Adenauer mochte ab 1961 partout nicht weichen, Helmut Kohl von 1994 an ebenso wenig. Für beide begann dann ein nicht einmal mehr feierliches Abschnurren des politischen Lebensrestes.

Deshalb hier erneut die Frage: Sollte nicht für Kanzler und Ministerpräsidenten nach maximal zwei Amtszeiten, also nach acht oder zehn Jahren, Schluss sein? Das gesetzlich fixierte Ende in Sicht, ließe sich sogar der krönende Abschluss rechtzeitig üben.

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(mc)