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Störenfriede wie Norbert Röttgen stört die Lethargie in Berlin

Kolumne: Mit Verlaub! : Gute Fahrt den Störenfrieden

Ob Emmanuel Macron oder Norbert Röttgen: Beide Außenpolitiker stört die Berliner Lethargie.

Man sollte sich den Störenfried als nützliche Figur vorstellen. Norbert Röttgen ist so jemand. Salopp formuliert: Er kommt wie Kai aus der Kiste, und plötzlich ist Leben in der verwitterten (CDU)-Bude. Amerikaner würden Röttgen wegen seiner Fähigkeit zur Wiederauferstehung nach selbst verschuldeten Sturz 2012 „Comeback Kid“ nennen. Zum Thema Störenfried las ich bei Friedrich Nietzsche: „Zuletzt aber ist es gleichgültig, ob der Herde eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind. Wer von den fünf Meinungen abweicht und bei Seite tritt, hat immer die ganze Herde gegen sich.“ Schau’n wir gespannt, ob in den kommenden Wochen das geschieht, was in der Volkswirtschaft als schöpferische Zerstörung bezeichnet wird, ob also der Geheimplan von AKK und ihrem Triumvirat Frischluftzufuhr erfährt.

Die Kandidatur Röttgens gefällt mir auch deshalb, weil er Außenpolitiker, Transatlantiker und Europäer ist. In den letzten Jahrzehnten drängten sich leider vorwiegend sozialpolitische Verteilungskünstler nach vorn. Röttgen gelang sein Comeback als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages. Der kluge Rheinländer in der Tradition Adenauers kennt die alte Metapher über das Verhältnis zwischen Außen- und Innenpolitik: „Wenn das Haus wackelt, kann man keine Bilder aufhängen.“

Neulich klagten am Sportklub-Tresen zwei hellwache Franzosen, die seit Jahrzehnten hier leben, über das erlahmte Berlin, das Macrons Schwung nicht folgen wolle oder könne. Wer den Staatspräsidenten aus Paris bei der Münchner Sicherheitskonferenz erlebt hat, ahnt, was gemeint ist. Auch Macron ist seit geraumer Zeit ein Störenfried in der Berliner Lethargie. Er will den europäischen Motor neu zünden, aus dem Leerlauf hochschalten und einen französisch-deutschen Achsenbruch verhindern. Gute Fahrt den Störenfrieden!

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