Kolumne: Mit Verlaub!: Shakespeare an der Spree

Kolumne: Mit Verlaub!: Shakespeare an der Spree

Auch in diesem Sommer wird das Neusser Shakespeare-Festival Werke des literarischen Meisters darbieten. In dessen Lustspiel "Wie es euch gefällt" gibt es den berühmten Monolog über Wesen und Wirken von uns Sterblichen: "Die ganze Welt ist Bühne. Und alle Frauen und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab."

Die Berliner Spielleiterin Merkel ist in Not. Es mangelt ihr an folgsamen Bühnenarbeitern.

Auch in diesem Sommer wird das Neusser Shakespeare-Festival Werke des literarischen Meisters darbieten. In dessen Lustspiel "Wie es euch gefällt" gibt es den berühmten Monolog über Wesen und Wirken von uns Sterblichen: "Die ganze Welt ist Bühne. Und alle Frauen und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab."

Passt das nicht zu dem Berliner Ensemble, das jetzt seinen neuen politischen Spielplan durch die beneidete und befeindete, reife Hauptdarstellerin und Spielleiterin dem Eintritt, sprich Steuern zahlenden Publikum, nahebringen ließ? Schon scheint klar zu sein, dass nicht alle Aufführungen des Ensembles Merkel/Scholz gefallen werden. Sicherlich werden auch wieder Missgunst und Streit am Ende der Spielzeit 2021 reichlich Verdruss bereiten.

Die Ensemble-Chefin wird sich schwerer tun als früher, nicht pflegeleichte Bühnenkollegen zur Werktreue zu ermahnen. Da gibt es den ehrgeizigen, verhinderten Hauptdarsteller Jens Spahn, im Theaterjargon würde man ihn anerkennend eine Rampensau nennen. Er macht bei ersten Sprechproben den Eindruck, als liebe er die derben Volksstücke, Schenkelklopfereien im und vor dem Theater inbegriffen. Noch jemand ist kaum zu bändigen: der listige alte Mime von der Landesbühne Oberbayern.

Horst Seehofer lieferte zum Start der Spielsaison fürs applaudierende Publikum das Mantel- und Degenstück "Islam" eines unbekannten Heimatdichters. Die Spielleiterin - so kennen wir sie - hätte es gerne ruhiger, andere behaupten: langweiliger. Sie schätzt folgsame Bühnenarbeiter und fleißige Nebenrollen-Akteure, die ihre Texte lernen und der Hauptfigur nicht das Licht nehmen. Im Parkett und in den Logen wie stets die Rezensenten - die einen mit Sorgenfalten im Gesicht, die anderen mit Champagnerglas in der Hand. Hoffentlich gehen nicht nur Letztere zufrieden nach Haus.

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(mc)