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Österreichs Kanzler Sebastian Kurz steht für neue Zeiten.

Kolumne Mit Verlaub! : Eine neue Zeit zieht herauf

Österreich übernimmt die EU-Präsidentschaft. Kanzler Kurz steht für die Zukunft.

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit.“ In Erinnerung an einen ansonsten nicht besonders erinnerungswürdigen Berliner Bürgermeister setze ich hinzu: „Und das ist auch gut so.“

Wem fiele der eingangs zitierte Satz aus Schillers „Wilhelm Tell“ in diesen Tagen nicht ein – Tagen, in denen selbst ein Kommentator der „Tagesschau“ der zu lange regierenden Kanzlerin den Rücktritt empfiehlt? Es bröckelt im politisch-publizistischen Komplex, oder, bildhafter formuliert: Die Titanic-Kapelle verliert ihre verlässlichsten Streicher. Man hört schon die bange Frage: Ja, um Himmels willen, wer soll es denn stattdessen machen? Dahinter lugt der selbstsüchtige Hang derjenigen hervor, die nicht weichen wollen, weil sie persönlich-politisch vom Ancien Regime profitiert haben und am liebsten noch Jahre profitieren wollen.

Den Sorgenvollen, die die Kanzlerin für alternativlos halten, sei eine sarkastische Bemerkung des unvergessenen Otto Graf Lambsdorff (FDP) vorgehalten: „Die Friedhöfe sind voller Leute, die sich für unentbehrlich hielten.“ Es haben sich noch immer Nachfolgerinnen und Nachfolger gefunden, die in den frei werdenden Sattel gestiegen sind und denen anschließend hinterhergerufen wurde: „Hoppla, auch sie können ja reiten.“

Übermorgen übernimmt Österreich mit seinem jungen Reitersmann für ein halbes Jahr die EU-Präsidentschaft: Sebastian Kurz. Laut einer Umfrage würde eine Mehrheit der Deutschen den Wiener Kanzler der Berliner Kanzlerin vorziehen. Kurz hat frisches Charisma. Merkel hat alte Verdienste. Der Wechsel ist mehr als europäische Routine. Er symbolisiert, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo eine neue Zeit heraufzieht.

„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit …, und neues Leben blüht aus den Ruinen.“ Seien wir optimistisch.

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