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Kolumne „Mit Verlaub!“: Machen Männer wieder Geschichte?

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Machen Männer wieder Geschichte?

Guter alter Westen, sei wachsam. Es gibt Vorboten neuer Anführer-Figuren.

Das Wort „Zukunft“ hat bei maßgeblichen gesellschaftlichen Kräften Hochkonjunktur. Zukunftsfragen im Weltmaßstab: Wie lässt sich das Leben vor globalen Klimaveränderungen retten? Lösen schreckliche Epidemien den Todbringer Krieg ab? Zukunftsfragen im heimischen Maßstab: Wie sieht Deutschlands Zukunft aus, wenn die Armuts-Völkerwanderung aus Afrika erst richtig einsetzt? Wie viele Arbeitsplätze gehen durch Künstliche Intelligenz verloren? Wie sichert Wohlstandsland D die Ansprüche vieler Alter und zu wenig Junger?
Es zeichnen sich mindestens zwei Gefahren ab: Erstens, dass die Menschheit und wir Deutschen als klitzekleiner Teil derselben auf Zukunftsfragen keine vernünftigen Antworten finden; zweitens, dass wir wieder in Versuchung geraten und auf Anführer setzen, die es schon richten werden. Ein geflügeltes Wort aus dem 19. Jahrhundert kommt in den Sinn: „Männer machen Geschichte.“ Einige Vorboten haben die Ruder schon in der Hand: Xi Jinping in China. Putin in Russland, Erdogan in der Türkei, Trump in den USA. Bevor Sie jetzt pflichtgemäß die Nase rümpfen, sollten Sie daran denken, dass die Großen Vier weit über ihre jeweiligen Ländergrenzen hinaus gerade deshalb an Attraktivität und Zustimmung gewinnen, weil sie Stärke und Sicherheit suggerieren und eine Anhängerschaft von religionsähnlicher Inbrunst vor, hinter und neben sich wissen. Guter alter Westen, sei wachsam.
Der Historiker Andreas Rödder stellt fest, dass in Deutschland nicht nur die Volksparteien schrumpften, sondern auch starke politische Persönlichkeiten mit Leadership-Format rar seien. Wir brauchen keinen Xi, keinen Putin, Erdogan oder Trump. Aber mehr starke, regierungsfähige und erprobte Männer und Frauen – die stünden uns gut zu allzu blassem Gesicht.

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