Kolumne: Starke Führungspersönlichkeiten in der EU? Die Gewählten müssen sich Europa würdig erweisen

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Pazifisten-Festival im Seniorenheim?

Konrad Adenauer und Helmut Kohl gehörten zu denen, die die Idee eines geeinten Europa erst auf den Weg gebracht haben. Wie es heute um die Führungspersönlichkeiten in der EU steht.

Mit Humor lässt sich bekanntlich manches ertragen oder sogar zum Guten wenden. Deshalb etwas zum Schmunzeln aus der Schatztruhe mit Anekdoten des „Alten von Rhöndorf“, Konrad Adenauer: Der erste Bundeskanzler (1949-1963) und der langjährige niederländische Außenminister Joseph Luns (später auch NATO-Generalsekretär) konnten sich nicht leiden; sie piesackten sich gerne, rein außenpolitisch motiviert und nicht öffentlich. Eines Tages, als der niederländische Spitzendiplomat den deutschen Kanzler wieder einmal zur Weißglut gebracht hatte, nahm der „Alte“ einen Vertrauten zur Seite: „Dat nächste Mal, wenn ich mich über den Herrn Luns furchtbar aufregen muss, erinnern Se mich bitte daran, dat es immer noch einen Menschen auf der janzen Welt jeben muss, dem et noch schlechter jeht als mir..., nämlich d’r Frau Luns.“

So schwenken wir zu Europa und den Zuständen dort. Dass die Brüsseler Tage und Nächte des Forderns, Feilschens und Finassierens alle Freunde Europas verzweifeln ließen, ist die eine, bittere Note. Das Tröstliche liegt angesichts der Trostlosigkeit der Führungsfiguren darin, dass es nur besser werden kann – und es eben nicht besser werden würde, wenn die große Idee von Europa endgültig den Kleingeistigen zum Opfer fiele.

Wann erweisen sich die Gewählten in Europa endlich derer würdig, die einst das bedeutendste politische Werk auf dem Kontinent in Gang gesetzt haben? Konrad Adenauer zählte dazu. Einem seiner Nachfolger, Bundeskanzler Helmut Kohl (1982-1998) wurde sogar die ganz seltene Auszeichnung „Ehrenbürger Europas“ zuerkannt. Hoffentlich müssen wir Europäer uns nicht irgendwann die Frage stellen, die ein deutscher Denker sarkastisch so zugespitzt hat: „Was ist Europa anderes als ein Festival von Pazifisten in einem Seniorenheim?“

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