Kolumne "Mit Verlaub!": Sprachlicher Umweltschmutz

Kolumne: Mit Verlaub! : Sprachlicher Umweltschmutz

„Lübecker:innen“! Warum diese deutsche Schafsgeduld mit Wirrköpfen?

Wenn die öffentlichen Kassen leer sind, neigen Politiker mitunter zu Reformen, die nichts kosten – außer Reputation. Der neue Leitfaden der Lübecker Stadtverwaltung, der eine geschlechtsneutrale Schreibweise in sämtlichen kommunalen Veröffentlichungen anordnet, ist ein solches Zeugnis der Lachhaftigkeit. Schüler sollen als „Schüleri:innen“, Anwohner als „Anwohner:innen“, Lübecker männlichen Geschlechts als „Lübecker:innen“ geführt werden. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) begeht nicht nur nach Ansicht des Vereins Deutsche Sprache sprachliche Umweltverschmutzung. Lindenau sieht das erwartungsgemäß anders, freilich als bahnbrechenden Beitrag zur Klimaverbesserung zwischen den Geschlechtern und denjenigen, die sich nicht als Mann oder Frau beschreiben möchten.
Wem käme da nicht der Titel des Buches „Gender Gaga“ von Birgit Kelle in den Sinn, oder gar Lübecks größter Sohn, der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann? Er hätte den Unfug wohl in Ironie ertränkt, vielleicht so: „Es ist nicht einfach, ein Deutscher zu sein, das Volk hat es schwer mit sich selbst, es leidet zuweilen an sich bis zum Ekel.“ Doch, halt! Es sind ja nicht wir, die Deutschen, denen so etwas einfällt wie gendergerechte Sprech- und Schreibweise. Die Propagandisten sitzen als Umerzieher:innen in zweifelhaften Instituten des wissenschaftlich-politischen Komplexes. Warum vertreiben wir sie nicht durch Abwählen oder Ignorieren aus ihren von uns finanzierten Tempeln? Warum diese deutsche Schafsgeduld mit Wirrköpfen? Dass der Bundesgerichtshof die Anerkennung eines dritten Geschlechts für rechtens hält, kann ja nicht bedeuten, dass bestimmte Politiker:innen, die jeden Plastikstrohhalm für Klima-Frevelei halten, uns mit Sprach- und Schreibschmutz zum Narren halten dürfen.

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