Kolumne „Mit Verlaub!“: Gebt dem Euro ein Gesicht

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Gebt dem Euro ein Gesicht

Die Allergrößten unseres kleinen Kontinents gehören auf unsere Geldscheine.

Die neue erste Hüterin unserer Währung ist ein Mix aus französischer Eleganz und amerikanischem Pragmatismus. Als Christine Lagarde in Frankfurt symbolisch eine überdimensionierte blaue 20-Euro-Banknote mit ihrer Unterschrift versah, bewies die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Fantasie: Man möge die europäische Erfolgswährung aufgrund der Hintergrundfärbung des Zwanzigers künftig „Blue Bridge“ nennen. Das war als Anspielung auf den Dollar und Ausdruck europäischen Selbstbehauptungswillens gegenüber dem „Greenback“ zu verstehen, wie die US-Weltwährung genannt wird.

Sie werden jetzt vielleicht fragen: Na und? Hat die Frau keine anderen Sorgen? Wir Europäer und Deutschen haben seit Längerem schon ein Rendezvous mit der Globalisierung. Man kann dazu wie der sprichwörtliche Deutsche Michel die Zipfelmütze ins Gesicht ziehen und zur Nacht beten: „Herr, verschone mich mit der Realität.“ Oder seufzen: „Gib uns unsere gute alte Mark zurück.“ Alles Unsinn. Der Euro und seine Banknoten „sind Teil unserer Wirtschaft, unserer Identität und unserer Kultur“ (Lagarde). 79 Prozent aller Transaktionen im Euroraum erfolgen noch bar; 76 Prozent der Bürger befürworten mittlerweile die bärenstarke Währung. Da der Mensch bekanntlich nicht vom Brot allein lebt, fände ich es schön, wenn Einflussreiche wie Madame Lagarde nicht nur von „Blue Bridge“ sprächen, sondern auch eine neue Debatte darüber losträten, den Euroscheinen ein selbstbewusstes Gesicht zu geben. Jetzt sind sie nämlich gesichtslos. Der kleine Kontinent Europa hat im Laufe der Jahrhunderte wie kein anderer Erdteil hervorragende Köpfe der Kultur und Wissenschaft hervorgebracht. Die Größten unter ihnen (etwa da Vinci, Montesquieu, Picasso, Einstein) gehören endlich auf unsere Banknoten.

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