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Kolumne „Mit Verlaub!“: Freude am Fahren, Ja zum Tempolimit

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Ja zum Tempolimit

Die Vernunft bricht sich Bahn. Auch wir deutsche Autoraser zivilisieren uns.

Als kleiner Junge waren Wiking-Autos meine Lieblings-Spielzeuge. Und wenn ich beim Auto-Quartett einen Cadillac Eldorado oder einen Mercedes 300 SL auf der Hand hatte, hüpfte das Herz. Jahrzehnte später ließ mich ein feiner Kollege einmal ans Steuer seines bärenstarken Porsche 911 S. Vor lauter Freude am Fahren verpasste ich den Wiederbeginn eines elenden Workshops. Wunderbar.

Also, hier schreibt ein Freund des Autos. Was Sie womöglich überraschen wird: dass der nostalgisch klingende Textbeginn inklusive Spaß an Sportwagen-Rasanz in ein entschiedenes Ja zu einem generellen Tempolimit mündet. Zum wiederholten Mal bekenne ich mich an dieser Stelle dazu; beim ersten Mal gab es als Reaktion noch teilweise wüste Beschimpfungen. Mit jedem weiteren Plädoyer legte sich der Furor derjenigen, die meinen, es gebe so etwas wie ein Menschenrecht auf Tempo 180. Die unzivilisierte Raserei und Auffahr-Drängelei auf unseren Schnellstraßen muss und wird bald ein Ende haben. Dass selbst der schläfrige ADAC seine altfränkischen Lobby-Anstrengungen zugunsten „Freier Fahrt für freie Bürger“ abbremst, zeigt, dass sich die Vernunft Bahn bricht. Und wer jetzt doch noch einwendet, es gebe bereits zu viele Verbote, und ein Tempolimit 130 sei illiberal, dem halte ich entgegen: Der Mensch ist aus krummem Holz, man kann liberal sein und dennoch zivilisiertes Verhalten erzwingen wollen.

So wie man den Amerikanern wünschte, sie würden sich von ihrer närrischen, lebensbedrohlichen Lust am schnellen Waffenerwerb lossagen, so hofft man, dass wir Deutschen, wenn wir denn endlich wie anderswo in Europa ebenfalls zur Vernunft gekommen sein werden, in ein paar Jahren rückblickend denken: Was war das doch einst vor der Tempolimit-Reform für ein kollektives Irresein.

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