Kolumne: Berlin ähnelt einer schlecht regierten Dritte-Welt-Kommune

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Mannesmut auf dem Narrenschiff

„Berliner Verhältnisse“ sind sprichwörtlich: Das ist die neue Hauptstadtärmlichkeit.

Schämen Sie sich auch oft für unsere Hauptstadt und den dort eingerissenen Schlendrian? Berlin mag sich einbilden, auf dem Weg zur Weltmetropole zu sein. Mancherorts kommt sie aber einer schlecht regierten Dritte-Welt-Kommune gleich. Franz Josef Strauß (1915–1988), der als Chef der CSU und Ministerpräsident seine Heimat Bayern durch weitsichtige Industrie- und Technologiepolitik in die Poleposition der Bundesländer befördert hat, hätte für die sprichwörtlichen „Berliner Verhältnisse“ den derben Befund parat: „Saustall.“ Zugegeben, Grobheiten sind nie ganz gerecht, gibt es doch ungeachtet von Verwaltungsversagen in Berlin kulturell und subkulturell Beachtliches zu erleben. Die bürgerlichen Parteien profitieren nicht etwa von der rot-rot-grünen Regierungsärmlichkeit. Insbesondere die lahme CDU müsste einen Gegenentwurf von Maß, Mitte  und Vernunft populär machen. Doch in der Hauptstadt-CDU, aber nicht nur dort,  hocken viele Hasenfüße satt und bang in ihren Furchen. Neulich wunderte sich der Kolumnist Jan Fleischhauer über den CDU/CSU- Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus: Dieser habe bei Maischberger die klimabewegten Beiträge der grünen Katrin Göring-Eckardt nickend begleitet und es ihm überlassen, wider den Stachel zu löcken. Erst nach der Sendung, so Fleischhauer, stimmte Brinkhaus ihm zu und säuselte, warum er live das Lämmlein gemimt hatte: „Sonst gilt man ja als Umweltfeind.“ Mannesmut nach Toresschluss: Is dit der Geist von Balin anno 2019? Klarheit und Wahrheit dagegen in einer Strauß-Rede von 1986: „Die Frage ist: Bleiben wir auf dem Boden trockener, spröder, notfalls langweiliger bürgerlicher Vernunft, oder steigen wir in das bunte Narrenschiff Utopia ein, in dem ein Grüner und zwei Rote die Rolle der Faschingskommandanten übernehmen?“

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