Kolumne „Mit Verlaub!“: Hoch lebe das Rheinisch-Liberale

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Hoch lebe das Rheinisch-Liberale

Wie wäre es mit diesem Slogan: Der nächste Kanzler sollte ein Rheinländer sein.

Dies vorweg: Ich bin kein Mitglied der FDP, aber ich freue mich, dass es wieder Freie Demokraten im Bundestag gibt. Als im September 2014 meine erste Kolumne erschien, war die FDP nicht im Parlament. Die Überschrift damals lautete: Wenn schon keine FDP, dann bitte freie Demokraten. Was heißen sollte: Entscheidend ist weniger die Partei als solche, mehr hingegen der Geist von Freiheit in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. In dem guten „Spiegel“-Gespräch mit FDP-Chef Christian Lindner belegt der erste Geiger der Liberalen, wie wichtig vor allem in der Klima- und Anti-Auto-Hysterie jemand ist, der noch die Partitur kennt, nach der im Erfolgsmodell D jahrzehntelang musiziert wurde.

Morgen vor vier Jahren verstarb der Jurist und langjährige Herausgeber dieser Zeitung, Gottfried Arnold. Er war ein Mann von bürgerlicher Noblesse, ernst und gewitzt zugleich. In vielen Gesprächsrunden, denen der Christdemokrat vorsaß, fasste er die Debatte so zusammen: „Wir bleiben rheinisch-liberal.“ Recht verstanden, ist der Rheinländer kein idealer Parteigänger, kein Eiferer, vielmehr ein Mensch von Maß und Mitte. Er schlägt gesellig über die Stränge, lässt es anderentags aber auch „wieder jot sein“ und tut seine Pflicht. Der Rheinisch-Liberale ist kein Engel, weder in der Politik noch sonst wo; er kann durchaus „ne fiese Möpp“ sein, aber er versteht sich auch aufs „jönne könne“; und er hält das Wörtchen „bierernst“ nicht für Duden-würdig. Aus solchen und anderen Gründen empfinde ich bis heute die Entscheidung zur nicht allein geografischen Achsenverschiebung der deutschen Politik vom rheinischen Bonn ins ostelbische Berlin als einen fatalen politischen Fehler. Kein Plädoyer für einen aktuellen Politiker, dennoch Sympathie für diesen Slogan: Der nächste Kanzler sollte ein Rheinländer sein.

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