Kolumne: Mit Verlaub!: Europa und der Titan Churchill

Kolumne: Mit Verlaub! : Europa und der Titan Churchill

Der britische Premier brachte wieder Licht in die dunkelste Stunde der Alten.

Seit dem gestrigen Donnerstag präsentieren unsere Kinos den historisch-biografischen Film "Die dunkelste Stunde". Im Zentrum steht der 1940 ins Amt gekommene britische Premierminister Winston Churchill. Man übertreibt kaum, wenn man den Engländer mit amerikanischen Wurzeln einen Titanen der Geschichte Europas nennt.

Heinrich von Treitschkes berühmte, heute umstrittene Personalisierung des Weltenlaufs "Männer machen Geschichte" erlebte ihre vorerst letzte Bestätigung in dem grimmigen Widerständler Churchill, der 1940 allein dem Aggressor und "geistlosen Barbaren" (Joachim Fest) Adolf Hitler die Stirn bot. Churchill hielt die nach dem Fall Frankreichs schon fast geschleifte Festung Europa, indem er einen Scheinfrieden mit dem Verderber Deutschlands und Europas ausschloss und zum Kampf mobilisierte.

Churchill war es, der, nachdem in Europa wieder das Licht angegangen war, 1946 die Friedensidee namens Vereinigte Staaten von Europa in die Alte Welt setzte. Zur Wahrheit gehört, dass Churchill sein Britannien als nahe bei Europa, aber als nicht dazu gehörend sah. Wir lernen: Auch ein großer Seher leidet gelegentlich an Blickverengung. Ein Churchill ist nirgendwo in Sicht. Vielleicht ist das auch gut so, denn nach wie vor gilt: Glücklich ist das Land, das keine Helden nötig hat. Titanen wie er leuchten in den dunklen Stunden der Geschichte auf, wenn sich wie im Jahr 1940 den europäischen Völkern die Frage stellt, ob sich Europa als Kontinent der Freien behauptet oder unter die Stiefel eines Sklavenhalters gerät.

Die Nörgelei über "Brüssel", die übergriffige EU-Bürokratie, das überbesetzte Parlament mit überversorgten Abgeordneten in Straßburg, ist gut nachvollziehbar. Aber wer käme auf die verrückte Idee, das Kind Europa mit dem Bade auszuschütten, weil das Wasser verschmutzt ist?

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(mc)
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