Kolumne: Mit Verlaub : Deutsches Panik-Orchester

Kaum etwas nimmt der Populus teutonicus so todernst wie seine Ängste.

In seinem Band „Neue Zeilen und Tage – 2011-2013“ notiert der Karlsruher Denker Peter Sloterdijk: „Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des unduldsamen guten Willens. Ist es ein Wunder, wenn es zunehmenden Einfluss fordert?“

Die Schwarmgeister sind wieder unter uns – besonders in Deutschland, wo seit jeher die politische Romantik zu Haus ist, was rationaler gestimmte Nachbarvölker regelmäßig irritiert. Die Älteren unter uns erinnern sich an sorgsam gepflegte Hysterien rund um die Alarmbegriffe „Waldsterben“ oder „Nato-Nachrüstung“. Um Fichtenschonungen, denen von Experten in Parlamenten, Presse, Funk und Fernsehen das nahe Ende vorausgesagt wurde, hätten rabiate deutsche Zipfelmützen am liebsten Lichterketten gebildet. So mancher erregte Dörfler erklärte seinen Weiler zur „atomwaffenfreien Zone“. Als sich ein Bonner Regierungssprecher über das „Waldsterben“-Furioso seiner Landsleute lustig machte, wurde er öffentlich geteert und gefedert: Parteien, Publizistik und Popolus teutonicus grimmig entschlossen vereint, sich die Ängste vor dem Waldsterben nicht therapieren zu lassen. Der Journalist Stefan Aust wird es zu spüren bekommen, was es heißt, den Deutschen ihre Panik vor der „Klimakatastrophe“ ausreden zu wollen. Warten wir doch, bis der Klimahype abgeklungen ist – so lautete der Rat von Aust. Die Heilige Inquisition der Greta-Bewegung wird ihm als „alten weißen Mann“ die Höchststrafe an den Hals wünschen. Denn man darf uns Deutsche mit Steuern und Abgaben traktieren, darf uns hanebüchene Energiewendekosten aufbürden oder eine ausgezehrte Regierung zumuten – nur eines lassen wir uns nicht gefallen: dass man unsere Ängste nicht todernst nimmt. Da kennen wir kein Pardon, frei nach Wilhelm Zwo: Am weinerlichen deutschen Wesen möge die Welt genesen.

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