Kolumne zu Merkel: Pommes rot-schwarz

Kolumne: Pommes rot-schwarz

Am Tresen kritisiert der Deutsche seine Regierung. Danach gibt’s Muttis Küche.

Das Spitzenpersonal der Republik ist wieder zurück auf dem alten Spree-Kahn, und wir anderen gucken dem immer gleichen Personal beim Schrubben des Decks, beim Ausspähen neuer Uferlinien oder – noch lieber – beim Kampf gegen steigendes Wasser zu. Die Steuerfrau und ihre Matrosen geben das bekannte Signal: alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Wir kennen jedoch unsere Pappenheimer viel zu lange schon und denken: Geht vor Anker und überlasst Ruder und Maschinenraum frischen Kräften.

Der kluge „Cicero“-Autor Alexander Kissler diagnostiziert seit Längerem, dass das Regierungsschiff sinkt und dass niemand dort, am wenigsten die Steuerfrau, noch alles im Griff hat. Neulich plädierte er im ARD-„Presseclub“ sarkastisch für einen Personalwechsel: Es dürfe nicht immer nur „Strammer Max“ oder „Muttis kalte Küche“ auf der Speisekarte stehen. Man fragt sich, warum so viele Landsleute immer noch zum Essen in dieses Lokal gehen. Sind es etwa dieselben Leute, die gesellschaftspolitisch gar nicht laut genug das Hohelied von der Bunten Republik singen können, aber ansonsten jahrein, jahraus im Citygrill Angela „Pommes rot-schwarz“ bestellen? Kulinarisch anspruchsvollere Völker hätten oder haben längst das Lokal gewechselt.

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Bismarck hat gespottet, der Deutsche liebe es, beim Biere seine Regierung zu kritisieren. Das geschieht ja auch häufig: Heldenmut am Tresen. Aber sobald die Gläser geleert und der Schaum von den Lippen gewischt ist, geht’s mit Zipfelmütze nach Haus zu Mutti. Muttis Küche ist nicht die beste. Es fehlt zum Beispiel ein Steuersenkungs-Menü auf der Karte, das seinen Namen verdient. Vorgänger-Chefkoch Gerhard Schröder hatte eine Wirtschaftsreform-Hauptspeise zubereitet. Die war schmackhaft und sättigend. Mutti kriegt so etwas nicht hin.

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